Samstag, 4. April 2026

Spree - Alles für die Klicks (2020) - erschreckend und abschreckender Fiebertraum

Kurt trifft früh in seinem Leben mehrere falsche Entscheidungen: er macht sein Selbstwertgefühl und Wohlbefinden von anderen abhängig. Er nimmt sich selbst als Versager wahr. In Folge dieser bereits kritischen Grundkonstellation fliegen bei ihm auch noch die letzten Sicherungen raus. Er beginnt - für Reichweite und Klicks - ziemlich wahllos Menschen zu töten und hofft damit Rückhalt und Zuspruch in der Online-Community zu finden. Dabei nutzt er es aus, dass er als Fahrer bei "Spree" angestellt ist - einem fiktiven Pendant zu "Uber" oder anderen Fahrdiensten.

Das ist natürlich krank, pervers, morallos und ekelerregend. Spoileralarm. Natürlich muss sich die Handlung irgendwie weiterentwickeln. Als Antagonist findet der kleine Soziopath eine Standup-Comedian. Und als Ansporn und Triggerpoint gibt es noch einen "befreundeten" anderen Antagonisten, der Kurt in seinen Versuchen Follower zu bekommen immer wieder erniedrigt und beschimpft. Kurt ist neidisch auf ihn, dessen Erfolg und Erniedrigungen sticheln ihn an, immer weiter zu gehen. All das ist ziemlich geschmacklos und abstoßend aber interessant erzählt, weil man quasi den ganzen Film durch die Kommentare der Community mitlesen kann. Das ist neu und laut Luhmanns Systemtheorie ausreichend um im Kunstdiskurs Diskurs zu generieren. 

Nun, was soll der Film aber sein? Eine Kritik? Ein Spiegel, der vorgehalten wird? Ein Abschreckendes Beispiel? 

Kurt ist so isoliert, fremdbestimmt, naiv und dumm in seiner Selbstwahrnehmung, seinen Lebensvorstellungen, seinen Werten, so überfordert und hilflos. Stellt er groß und übertrieben dar, was einer ganzen Generation passiert? Quasi dialektisch - das Kleine spiegelt sich im Großen wider und umgekehrt - alles etwas übertrieben aber im Kern vergleichbar? Eine bereits so ausgefressene, von Social Media angezapfte Generation, die keinen normalen Ausweg mehr aus der Situation findet, in der sie sich befindet? Und eine Warnung, da nicht mitzuspielen und auszusteigen? Oder einfach nur ein kranker Film, völlig überzogen? Eine überdrehte Black-Mirror-Folge? Ich kann es nicht sagen. 

Trailer hier