Montag, 24. August 2026

Christopher Nolan - Odyssee - oppulent und wichtig!


Inhalt nach der Auslegung im Film (Spoiler)

Nach dem trojanischen Krieg, der erst durch Odysseus entscheidend List mit dem trojanischen Pferd für die "Archaier" gewonnen werden konnte, tritt Odysseus den Heimweg an. Übermütig trennt er sich von Agamemnon und den anderen Schiffen und segelt einen anderen Weg. Schon bald darauf ist die Mannschaft immer wieder gezwungen von Bord zu gehen, um Proviant aufzunehmen. Oft durch Plündern und Brandschatzen, manchmal durch Bitten oder das Angebot. Die Fremden werden nie herzlich empfangen. Mit offenen Armen - manchmal, aber das sind dann auch nur Listen ihrer Feinde. 

Sie treffen auf einen Zyklopen (Polyphem), Riesen, eine "Köchin" (Kirke), auf deren Geheiß segeln sie in den Hades und sprechen dort mit den Toten und einem Seher, sie segeln an einem Strudel (Skylla) vorbei und durch einen Felsenge (Charybdis) und legen an einer Insel an, auf der Kühe des Gottes Apollon weiden. Daraufhin geraten sie in einen furchtbaren Sturm. Das Schiff wird geteilt, Odysseus wird bei Calypso an Land getrieben und von ihr aufgenommen aber auch gehalten - durch Lotusblätter betäubt - , weil sie sich in ihn verliebt hat. Nach 7 Jahren lässt sie ihn gehen. 

In der Zwischenzeit herrscht Chaos in Ithaka, der Heimat Odysseus: Seine Frau Penelope harrt auf dem Thron aus, Telemachos, der Sohn Odysseus und Penelope, ist noch nicht stark genug, um mit den Männern mithalten zu können, die Penelope belagern, um ihre Hand anhalten und Odysseus Erbe antreten wollen, weil sie meinen, er würde nicht mehr zurückkehren. Penelope webt derweil am Leichentuch des Vaters Odysseus, Laertes, und hält die Freier damit hin. Erst wenn das Tuch fertig sei, würde sie einen zum Mann nehmen. Doch heimlich trennt sie auf, was sie tagsüber stickt. 

Odysseus kommt zurück, doch auf einen Rat hin von Agamemnon, gibt er seine wahre Identität zunächst nicht Preis, sondern betrachtet die Situation. Als Bettler kommt er an den Hof, bittet um Essen und wird von den rüpelhaften Freiern verspottet und gedemütigt. Penelope gibt auf. Sie möchte denjenigen zum Mann nehmen, der es schafft, Odysseus Bogen zu bespannen und einen Kunstschuss zu vollziehen, wie ihn nur Odysseus konnte.  Odysseus ersinnt eine Strategie. Alle Waffen werden aus dem Raum entfernt. Riegel werden organisiert. Am nächsten Tag versuchen alle den Bogen zu bespannen und scheitern. Odysseus, immer noch als "Veteran" und alter Mann getarnt, gelingt es. Auch den Schuss durch 12 Äxte vollzieht er. Dann kommt es zum Showdown und er tötet alle Freier, gibt sich zu erkennen und zieht mit Penelope anschließend ins Exil. 

Meinung: Ein großartiger Anti-Kriegsfilm. Wenig Effekthascherei, mehr eine feine psychologische Nachzeichnung einer militärischen Führungsperson und ihren Problemen, denn plumpe Unterhaltung.Die Hauptaussage des Films: Es gibt keinen Ruhm in Kriegszügen. Odysseus wird mit den Toten und Plünderungen, die er zu verantworten hat, konfrontiert (v.a. im Hades, hier dann auch das Schicksal Agamemnons) Auch toxische Männlichkeit wird vorgeführt (Kirke). Und zuletzt die Dummheit der Menschen, ihr Unvermögen zu verzichten und wie Leid daraus entsteht (seine Mannschaft stirbt, obwohl Odysseus sie warnt, ihnen einen Eid abverlangt. Sie lassen sich nicht vom "listigen" Odysseus führen.). Der Widerstand einer starken Frau in einer Männerdomäne. Die Wichtigkeit, freundlich gegenüber Fremden zu sein und sich an Recht zu halten. Es steckt so vieles in den Mythen! Nolan hat das meiner Meinung nach sehr gut gemacht! Auch die Idee mit dem Seevolk, vor dem alle noch bestehenden Völker Angst haben. Argos, der treue Hund...). 

Werktreue?

Jaein. Aber ich halte es für eine kluge Interpretation! 

Andere Kritik: https://www.filmstarts.de/kritiken/1000013045/kritik.html

Anfangsgesang der "Odyssee" nach Homer: 


Donnerstag, 16. April 2026

Karen Köhler - "Cobwoy und Indianer": Wer ist "wild" und wer ist "zivilisiert"? (aus der Erzählsammlung: "Wir haben Raketen geangelt")


 Eine Kurzgeschichtensammlung - bzw. genauer gesagt: Erzählungensammlung. 

Cowboy und Indianer

Inhalt

Ein mittelalter Durchschnittsamerikaner gabelt eine Amerikanerin auf, die aus zunächst ungeklärten Gründen alleine ohne Gepäck mitten in der Wüste Nevadas unterwegs ist. Der "Retter" selbst ist auf dem Weg zu einem Indianer-Treffen. Die beiden machen einen Abstecher nach Las Vegas und dort in ein Casino. Wie durch ein kleines Wunder gewinnt die Frau mehrere tausend Dollar am Roulette-Tisch, weil sie alles auf die richtige Zahl setzt. Kurz danach wird der Mann völlig überraschend und grundlos von Studenten zusammengeschlagen, die ohne Konsequenzen wieder verschwinden können. 

Der Mann ist angeschlagen und leidet an den Verletzungen. Dennoch geht es nicht direkt in die Notaufnahme oder zur Polizei, sondern die beiden machen sich wieder zurück ins Auto und auf den Weg Richtung Indianer-Treffen. Aufgrund seines Zustands kann der Mann sein Auto aber nach einiger Zeit nicht weiterfahren und die Frau übernimmt das Steuer. Irgendwann kann auch sie nicht weiterfahren vor Erschöpfung. 

An einem Motel machen sie Halt. Der Frau gelingt es den rauen Witzen des Besitzers des Motels, der selbst hinter der Bar steht, standzuhalten. Sie bewährt sich quasi und ihr gelingt es, Kaffee und Eiswürfel, um die Wunden und Schwellungen des Mannes zu behandeln, zu bekommen. Allerdings springt ihr Wagen nun  nicht mehr an. Also müssen die beiden wohl oder übel bleiben. Dabei erfahren sie viel mehr Hilfsbereitschaft, als sie erwartet hätten. Trucker bringen Ersatzteile für den kaputten Wagen an das Motel, während die beiden schlafen und so kann das Auto repariert und die Fahrt fortgesetzt werden. Das ungleiche Paar trennt sich im Guten aber sie haben das Abenteuer zusammen überstanden. Die Moral von der Geschichte: Hilfsbereitschaft kann dir wiederfahren, wenn du nicht damit rechnest und es gibt immer noch Dankbarkeit und das Gute in der Welt.

In diese Handlung, die es bereits faustdick hinter den Ohren hat, ist zusätzlich eine zweite Handlung eingearbeitet, welche beleuchtet, warum die Frau überhaupt alleine an der Straße stand. Eine episodenhaft erzählte, eingeschobene Rückblende, welche dort aufhört, wo die Erzählgegenwart beginnt. 

Hier geht es darum, dass sie von Freunden ihres großen Bruders immerfort beleidigt, gedemütigt und übergriffig angegangen wird. Einer bringt das Faß zum Überlaufen und vergewaltigt sie, bis sie sich wehrt und ihm eine Flasche über den Kopf zieht. Sie zeigt ihn an. Doch es gelingt ihr nicht, ihn zu überführen mangels Beweisen. Daraufhin nimmt sie privat Rache, zuletzt, als sie von seiner Hochzeit erfährt. Sie lässt das Ganze hinter sich und irgendwie, im Zuge dessen, bricht sie zu dieser Reise auf, wo sie den Mann trifft. Ich glaube, sie ist auch mehr oder weniger ausgestiegen bei einem andern Fahrer, der sie mitgenommen hatte und sexuell anging. 

Besonderheiten:

ineinander verwobene Erzählebenen: Rückblende und Erzählgegenwart.  Kampf "gut" gegen "böse". Spiel mit Vorurteilen. Vermeintlich raue Kerle entpuppen sich als hilfsbereit und korrekt mit "weichem" Kern. 


Meinung:

Spannend. unterhaltsam. klar fiktional und dennoch erschütternd und aufwühlend. 



Samstag, 4. April 2026

Spree - Alles für die Klicks (2020) - erschreckend und abschreckender Fiebertraum

Kurt trifft früh in seinem Leben mehrere falsche Entscheidungen: er macht sein Selbstwertgefühl und Wohlbefinden von anderen abhängig. Er nimmt sich selbst als Versager wahr. In Folge dieser bereits kritischen Grundkonstellation fliegen bei ihm auch noch die letzten Sicherungen raus. Er beginnt - für Reichweite und Klicks - ziemlich wahllos Menschen zu töten und hofft damit Rückhalt und Zuspruch in der Online-Community zu finden. Dabei nutzt er es aus, dass er als Fahrer bei "Spree" angestellt ist - einem fiktiven Pendant zu "Uber" oder anderen Fahrdiensten.

Das ist natürlich krank, pervers, morallos und ekelerregend. Spoileralarm. Natürlich muss sich die Handlung irgendwie weiterentwickeln. Als Antagonist findet der kleine Soziopath eine Standup-Comedian. Und als Ansporn und Triggerpoint gibt es noch einen "befreundeten" anderen Antagonisten, der Kurt in seinen Versuchen Follower zu bekommen immer wieder erniedrigt und beschimpft. Kurt ist neidisch auf ihn, dessen Erfolg und Erniedrigungen sticheln ihn an, immer weiter zu gehen. All das ist ziemlich geschmacklos und abstoßend aber interessant erzählt, weil man quasi den ganzen Film durch die Kommentare der Community mitlesen kann. Das ist neu und laut Luhmanns Systemtheorie ausreichend um im Kunstdiskurs Diskurs zu generieren. 

Nun, was soll der Film aber sein? Eine Kritik? Ein Spiegel, der vorgehalten wird? Ein Abschreckendes Beispiel? 

Kurt ist so isoliert, fremdbestimmt, naiv und dumm in seiner Selbstwahrnehmung, seinen Lebensvorstellungen, seinen Werten, so überfordert und hilflos. Stellt er groß und übertrieben dar, was einer ganzen Generation passiert? Quasi dialektisch - das Kleine spiegelt sich im Großen wider und umgekehrt - alles etwas übertrieben aber im Kern vergleichbar? Eine bereits so ausgefressene, von Social Media angezapfte Generation, die keinen normalen Ausweg mehr aus der Situation findet, in der sie sich befindet? Und eine Warnung, da nicht mitzuspielen und auszusteigen? Oder einfach nur ein kranker Film, völlig überzogen? Eine überdrehte Black-Mirror-Folge? Ich kann es nicht sagen. 

Trailer hier

Donnerstag, 26. Februar 2026

Krandiose Kafka-Inszenierung: "Der Verschollene" bei der Theaterwerkstatt in Würzburg


Wie viel darf man von einem Laientheater erwarten? In einer Stadt, in dem das Profi-Theater gleich nebenan steht. Mit ausgebildeten Schauspielern. Tontechnikern. Bühnen- und Beleuchtungstechnikern. Regisseuren. - Nun, man kann es im Voraus nicht wissen. Aber die Inszenierung von Kafkas "Amerika" oder "Der Verschollene" war phantastisch! 

Zum Inhalt: Wegen der Annäherung an eine junge Dame gegen den Willen der Eltern wird der Sohn weit weit West geschickt -  bis nach Amerika, zu Lebzeiten Kafkas immer noch eine aufregende, neue Welt! Dort soll der Junge Anschluss und Anstand beim Onkel finden. Doch bereits bei der Ankunft im Hafen geht einiges schief. Der gutgläubige K. vergisst einen Koffer (?) und gerät nochmals in die Untiefen des Schiffs. Dort möchte er dem Heizer helfen und findet sich auf einmal zwischen Hilfe und Anklage, Macht- und Ohnmacht, Gewalt und Bedrohung gegen Gutgläubigkeit und gute Absichten und verdrehte Machtlogiken, eben zwischen dem Heizer, dem Kapitän und einem Fremden wieder - dem Onkel, wie sich völlig überraschend herausstellt. 

Die Hauptfigur stolpert gewissermaßen weiter durch die Handlung. Kommt beim Onkel an. Lernt Englisch. Ein seltsamer Besuch kommt, lädt K. zu sich ein. Dort ist ein noch komischerer Gast zu Besuch und die Tochter ist auch nicht viel besser. Adamsfamily meets Draculas Schloss. K entkommt der Verführung oder flüchtet. Landstreicher finden ihn und nutzen ihn aus. Er verlässt sie und kommt in ein Hotel. Dort arbeitet er als Liftboy. Dies geht lange gut und alles scheint sich zu stabilisieren, bis die Landstreicher wieder auftauchen. Erneut wird K. angeklagt. Weil er seinen Posten verlassen hat...

Fazit: Ein skurriler, höchst unterhaltsamer Fiebertraum, schreiend komisch und verstörend zugleich. Großartige Inszenierung (auch ALLE mit Doppelbesetzungen durch Rotationsprinzip: Jeder spielt einmal "K.")

Homepage dazu: https://www.theater-werkstatt.com/events/amerika-franz-kafka/



Mittwoch, 13. August 2025

"Birdman" (2015 von Alejandro Iñarritu) - Oh you weak and beautiful Spinners!



Worum geht es? (ohne großen Spoiler)

Ein ehemals durch mehrere Hollywood-Blockbuser-Filme mit fragwürdigem künstlerisch-humanistischen Wert im Marvel Style ("Birdman") berühmt gewordener Schauspieler names Riggen Thomson (Michael Keaton) möchte sich selbst und seinen Lebenstraum verwirklichen und ein großes, bedeutungsvolles Theaterstück am Broadway inszenieren. 
Seine Tochter ist eine Angestellte von ihm in diesem Theater (Emma Stone). Als Nebenhauptrolle wird ein gnadenlos guter wie aber auch gnadenlos exzentrischer männlicher Counterpart gecastet (Edward Norton), was wiederum nur über die andere weibliche Hauptrolle im Theaterstück ermöglicht wird, da diese eine Liaison mit diesem hat. Dieses Theaterstück zum Laufen zu bringen und auch die daran geknüpften Erwartungen vom "Birdman" selbst, wie auch von den Zuschauern und den Medien zu erfüllen entpuppt sich als viel schwieriger als gedacht, zumal es massiv "menschelt" in dem kleinen Ensemble. Verhandelte Konfliktthemens sind unter anderem "Vater-Tochter-Beziehung", Selbstverwirklichung, Konkurrenz, Anpassungsdruck und Selbstbehauptung, Kunst vs. Kommerz, Grenzen, Selbstliebe, Vernachlässigung und viele mehr.

Analyse der "Mechanik": 

Der Film entwickelt eine große Dynamik, einen Sog und Geschwindigkeit. Woran liegt das? 

Man wird überflutet mit unerträglichen Verfehlungen, Ausrutschern, Grenzüberschreitungen und Übergriffigkeiten. Doch, anstatt dass eine verdaut wird, wird sie oft durch die nächste Grenzüberschreitung überboten. Dabei gibt sich das kleine Kammerspiel-Figurenkabinett eigene Regeln, die Konflikte zu lösen, gemäß ihrer Biographie oder ihres Charakters, der ihnen das zugesteht. Gemäß der Logik "Sie ist halt vernachlässigte Tochter." "Er ist halt Schauspieler, der viel Wert auf das Außergewöhnliche legt." "Sie war nunmal seine letzte Partnerin", "Er möchte nunmal ein großes Kunstwerk schaffen" usw. 

Der Film ist auch technisch so gestaltet, dass er wirkt, als wäre er in einem "take", als "oneshot" gedreht. Auch das trägt natürlich einen Teil dazu bei, dass man ihn als rasant empfindet. Dabei entstehen bei mir auch technische Fragen und voller Verwunderung und Staunen kann ich nur verblüfft fragen: "Wie machen die das, wenn eine Figur im Spiegel zu sehen ist, und die Kamera eigentlich auch zu sehen sein sollte, man sie aber nicht sieht? Wie macht man eine Kamerafahrt mit einem Zoom von außen nach innen, bei der die Kamera quasi durch ein Balkongeländer gleitet wie es nur ein Geist machen könnte? 

Als "Schmankerl" gibt es einige phantastische Momente in dem Film, in dem der "Birdman" mit telekinetischen Kräften à la Darth Vader oder Luke Skywalker oder Yoda ausgestattet wird und Gegenstände bewegen kann, ohne diese zu berühren. 

Auch die Musik ist ungewohnt: Allein ein Jazz-Drummer holt aus seinem Schlagzeug raus, was geht, um den Film zu begleiten (eine Idee, die vom PC-Game "Ape Out" 2019 aufgegriffen wurde)

Fazit



Freitag, 27. Juni 2025

Crash! Kein schönes Thema - aber so muss Theater sein!



Im alten Mozartareal in Würzburg gab es im Juni ein besonderes 2-Frauen und eine Musikerin- Stück zu sehen: Crash. 

Das Thema: Long Covid. Das Besondere: Betroffene haben das Stück entwickelt, um auf sich und die Situation aufmerksam zu machen, aber auch um einen aufklärerischen Rundumschlag gegen das Medizinsystem auszuführen! 

Dabei machen sie alles richtig: Das Stück ist berührend, schockierend und wachrüttelnd, unterhaltsam, belehrend, witzig und todernst. So wie Theater sein sollte. Es sucht sich eine Materie aus und arbeitet aus dieser das Wesentliche tiefgründig und unterhaltsam heraus. Wenig Requisiten wirkungsvoll eingesetzt! Ganz großen Respekt an alle Beteiligten dieser Produktion! 

Mehr Infos: https://crash-performance.weebly.com/bilder-video.html

Montag, 2. Juni 2025

Das OMA und Mandrax Queen - Warum beides gut für Herz und Seele ist

SPOILER: Das Festival ist überhaupt ganz und gar nicht so morbide, wie das Plakat vermuten lässt :) Man nehme ein Weingut in der Nähe von Karlstadt mit einer angegliederten Heckenwirtschaft. Man nehme ein offenes Winzerpaar mit Kunst- und vor allem rockaffinen Kindern, man nehme einen Freundes- und Helferkreis dazu, baue eine Bühne, erstelle einen Campingplatz, stelle einen Zapfwagen und zwei zusätzliche Komposttoiletten auf, lade ein paar der in der Szene bekanntesten Heavy-Rock Bands und ein paar absolute Lokalheros und Neustarter der hiesigen Szene ein, nutze noch die Connections zu einem befreundeten Partykollektiv, stelle eine saftige Anlage in einen kleinen Schober oberhalb des Wohnhauses und der Hecke, mache das ganze auf Spendenbasis, organisiere Artwort, Securitys, Schichten und Helferpläne, gestalte noch eine zweite Palettenbühne für Lesungen oder Musik während des Umbaus in einem Steingarten dazu, kläre das irgendwie mit den hiesigen Verantwortlichen, organisiere Licht und Bühnentechnik, ein paar kochwütige Herzensmenschen mit Herz für Tieren und heraus kommt so etwas wie das OMA-Festival. Klein, herzlich, offen, inspirierend. Absolut menschlich. Was können Menschen denn bitte Besseres machen, als ihre Ressourcen und Fähigkeiten mit andern zu teilen, ein "Come-Together" zu organisieren auf Spendenbasis und mit vegetarischer und veganer Küche? Jeden einzuladen, solange er sich an die Regeln des pazifistischen, antirassistischen Miteinanders hält? Mir fällt wenig Besseres ein!

Und damit kam ich in den Genuss, zwei Abende voller Konzerte und Live-Acts und einen Morgen voller Kunst und viele kleine Momente  voller wunderbarer und wertvoller Begegnungen in mein Bildgedächtnis einzubrennen. 

Neben den Lesungen von den drei Slamern Mr. Nils Nektarine,  Taliaklenk oder Rune zu ganz unterschiedlichen Themen, aber auch zu dem ernsthaften Thema, wie es ist, als Mensch mit ADHS zu leben und dem Herzensthema Akzeptanz von transgender und heteronormübersteigender Lebensgestaltung, habe ich zu Anfang ankommen dürfen zu den zauberhaften Melodien und Freiheitsgitarren-Soli von PYRAMID, dann Mandrax Queens Bühnenfeuerwerk zum zweiten Mal live erleben dürfen und das brachiale, ursympathische Urgestein "Weedwizard" entgegengeschmettert bekommen. Ich wurde dann von Dojo Rich wieder daran erinnert, wie unfassbar kreativ Menschen sein können (5 Digeridoos, ein paar Perkussionsinstrumente, unendlich aveolare Luftströme, Passion und Explorationslust) , erlebte das beherzte Set von "DÄSCH" ("You want a love song? THIS is my Love song!)  bis die Bühne kaputt ging, hörte wieder die schöne, ehrliche und vertraute Stimme von "Lovely, lovely Wierdo", lies mich von BLACKSMOKER wegblasen und was ich noch an Energie hatte, wollte ich den Pawn Painters nicht vorenthalten (SCREAMO!).Unglaublich auch die Zappeldrangcrew mit Hightech-Sound, Gebretter aller Art, Drum-n-Bass und viel Liebe. Das ist jetzt nur ein kleiner Ausschnitt. Und ich könnte auf jede Band im einzelnen Eingehen...Aber dafür habe ich leider nicht die Zeit. Work work work for a better world world word calls.

Jetzt also noch kurz Mandrax Queen: Wer irgendwann die Möglichkeit hat diese Band live zu erleben, der sollte die wahrnehmen! Nicht nur weil man selbst als Nicht-Musik-Nerd das Label "handgemachte Rockmusik" spätestens dann, wenn man die zusammen spielen sieht, zu verstehen und wertzuschätzen lernt, sondern auch, weil die Songs vor Funk strotzen und die Band den Funk so richtig aus den Songs raussqueezt, weil die Songs Explodieren können und zeigen, wie viel Kraft und Schub Stoner Rock haben kann, weil sie mitreissen und die Band auch mitreisst oder sich mitreissen lässt, Spaß an der Sache hat und nicht nur "runterzockt", was sie so haben. Das ist das eine, das Musikalische und Handwerkliche und so. Und jetzt noch das viel Wichtigere, andere: 

Weil die Songs authentisch sind. Sie sind von Menschen für Menschen. Über gute Zeiten, über schlechte Zeiten, hoffnungs- und trostspendend, dass alles besser werden könnte. Ja ja, das klingt ein bisschen nach Sozialkitsch, aber: You might call me a dreamer, but i am not the only one. Musik verbindet. Love Love Love. (Übrigens ein bisschen so ähnlich wie Gunships "When you grow up your Heard dies") Und um es vielleicht ein bisschen zu beschreiben: Man nehme ein bisschen die Melancholie und den 80ger Jahre Wave Touch von The Cure, den Funk von den Chilli-Peppers und eine riesengroße Brise Stoner Freedom-Blasting und dann kommt man vielleicht bei ihnen an, wenn man Mandrax Queen anhört, was auch unglaublich gut ist. Aber - ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unbeschreiblich all das live ist!!! Und ich mag es nochmal wiederholen: Unbedingt live sehen und supporten!

Die Hits, an die man sich erinnert: Love, Love, Love oder Lights out. Und als Hörpobe vielleicht das hier