Donnerstag, 26. Februar 2026

Krandiose Kafka-Inszenierung: "Der Verschollene" bei der Theaterwerkstatt in Würzburg


Wie viel darf man von einem Laientheater erwarten? In einer Stadt, in dem das Profi-Theater gleich nebenan steht. Mit ausgebildeten Schauspielern. Tontechnikern. Bühnen- und Beleuchtungstechnikern. Regisseuren. - Nun, man kann es im Voraus nicht wissen. Aber die Inszenierung von Kafkas "Amerika" oder "Der Verschollene" war phantastisch! 

Zum Inhalt: Wegen der Annäherung an eine junge Dame gegen den Willen der Eltern wird der Sohn weit weit West geschickt -  bis nach Amerika, zu Lebzeiten Kafkas immer noch eine aufregende, neue Welt! Dort soll der Junge Anschluss und Anstand beim Onkel finden. Doch bereits bei der Ankunft im Hafen geht einiges schief. Der gutgläubige K. vergisst einen Koffer (?) und gerät nochmals in die Untiefen des Schiffs. Dort möchte er dem Heizer helfen und findet sich auf einmal zwischen Hilfe und Anklage, Macht- und Ohnmacht, Gewalt und Bedrohung gegen Gutgläubigkeit und gute Absichten und verdrehte Machtlogiken, eben zwischen dem Heizer, dem Kapitän und einem Fremden wieder - dem Onkel, wie sich völlig überraschend herausstellt. 

Die Hauptfigur stolpert gewissermaßen weiter durch die Handlung. Kommt beim Onkel an. Lernt Englisch. Ein seltsamer Besuch kommt, lädt K. zu sich ein. Dort ist ein noch komischerer Gast zu Besuch und die Tochter ist auch nicht viel besser. Adamsfamily meets Draculas Schloss. K entkommt der Verführung oder flüchtet. Landstreicher finden ihn und nutzen ihn aus. Er verlässt sie und kommt in ein Hotel. Dort arbeitet er als Liftboy. Dies geht lange gut und alles scheint sich zu stabilisieren, bis die Landstreicher wieder auftauchen. Erneut wird K. angeklagt. Weil er seinen Posten verlassen hat...

Fazit: Ein skurriler, höchst unterhaltsamer Fiebertraum, schreiend komisch und verstörend zugleich. Großartige Inszenierung (auch ALLE mit Doppelbesetzungen durch Rotationsprinzip: Jeder spielt einmal "K.")

Homepage dazu: https://www.theater-werkstatt.com/events/amerika-franz-kafka/



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