Montag, 29. Januar 2024

No.

Ich verdanke dir Wunder und Narben

wie du mich liebtest, so hast Du mich auch verletzt

in vielen Küssen spürte ich die Lippen anderer. 






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say no.


Montag, 20. November 2023

Polizeiruf 110 : "Ronny" oder "Das Böse der Jugend"

Wer erzieht Kinder? Wer erzieht den Menschen? Und wie kommt das Böse in die Welt? 

Der letzte Polizeiruf 110 wirft diese Fragen auf, ohne sie zu beantworten. Gordon ist der Täter. Sein Motiv - er weiß es selbst nicht. Warum er es getan hat? Er weiß es selbst nicht. Er sollte sich traurig fühlen oder schuldig, meint er in der Abschlussszene. Aber irgendwie finde er die Situation einfach nur komisch."

Wir haben die Frage diskutiert. Immer wieder ist es gut, mit anderen Menschen zu reden. Es inspiriert und hilft weiter. Denn ja, der Fernsehkrimi ist sehr nah am Puls der Zeit. Louisa, 12, wird von zwei gleichaltrigen Freundinnen ermordet. Wie kann so etwas passieren? 

Wir haben das diskutiert. Privat und in der Schule. Vier Faktoren sind uns eingefallen. 

1. die Eltern 

2. das Umfeld (Peer-Groups) 

3. der Staat (Schule, Heim, Kindergarten) 

4. die Medien.


@1: Was nun, wenn die Eltern "schlechte" Erzieher sind, weil sie entweder keine Zeit für die Kinder haben oder selbst keine Ahnung von "guter" Erziehung, also pädagogisch wertvoller Erziehung haben? Alleinerziehend, überfordert, gewalttätig... Und wenn das eine ungute Ehe eingeht mit unkontrolliertem Zugang zum Internet. Wenn die Eltern "bildungsskeptisch" sind oder den Staat unter Generalverdacht haben? 

@2: Das Umfeld - nun, das kann so oder so ausgehen. 

@3: Der Staat - so wie ich es erlebt habe, versucht er Wertevermittlung zu betreiben und auszuglätten oder aufzufangen, was nur geht. Ich zitiere eine Lehrerin, die ich kennengelernt habe, als ich an einer Förderschule gearbeitet habe: "Vergiss nicht, manchmal sind wir die einzigen, die den Kindern heute ein Lächeln schenken". 

Ich habe aber auch schon in einem Wohnheim gearbeitet und Sozialarbeiter erlebt, die unflexibel und phantasielos Dienst nach Vorschrift abgeleistet haben und mehr nicht. Mehr oder weniger pädagogisch reflektiert und sich einer Aufgabe oder Rolle bewusst. Aufseher, keine Pädagogen. Die schlimmste Mitarbeiterin hatte die Zeit dort tatsächlich als eine Art "Krieg" interpretiert. Wow, so etwas lernt man an an der Hochschule?!

@4: Die Medien: Hier muss sich etwas tun. Zu meiner Kindheit hatten wir kontrollierten Zugang zu den Medien: Sesamstraße, Gemeinsam Tierfilm am Samstag Abend, die Augsburger Puppenkiste, gemeinsam VHS Kassetten, geregelte Fernsehzeiten, eine Art Schloss am Fernseher oder eine versteckte Fernbedienung. Klar haben wir das irgendwie geknackt, aber trotzdem. Uns war klar, dass wir nicht einfach konsumieren dürfen, was wir wollen. Dass es eine Kontrolle gab. Und selbst wenn wir etwas schauen konnten, dann war das in der Regel kindgerecht und pädagogisch wertvoll (Captain Planet, Power Rangers, Batman oder heimlich Knight Rider). Ich hatte quasi keinen eigenen Fernseher. 

Jedes Kind, das ein Smartphone hat, kann theoretisch auf YouTube, TikTok, Snapchat etc...und sich ALLES reinziehen. Explizit meine ich damit kinderungerechte Szenen. Exekutionen. Schwer verstörende Inhalte oder zynische Gehirnwäsche schlechter Vorbilder. 


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https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/polizeiruf-110/sendung/ronny-100.html

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Black Panther - Wakanda forever oder "Warum ist Namora so ein Depp?"

Alte Erzählformeln im neuen Kostüm. Sehr opulenter Remix aus Herkulesaufgabe und "Die Physiker"- Problematik.


Inhalt:
 

Der verborgene Zwergenstaat Wakanda hat etwas, das der Rest der Welt auch gerne hätte: Vibranium, ein Rohstoff, dessen Eigenschaften Dinge ermöglichen, von dem der Rest der zivilisierten Welt nur träumen kann und gierig auch haben möchte. So kommt es zu Diebstahlversuchen und ein menschgemachter Vibraniumdetektor sucht den Meeresgrund nach dem Wunderrohstoff ab - mit Erfolg.... 


SPOILERALARM


Ab jetzt geht die eigentliche Handlung des Films los. Denn ein ganz neues Volk, genauso verborgen und abseits der Menschheit existierend wie die Wakaner, betritt die Bühne. Und dieses zerlegt den Detektor plus die gesamte Crew des Militärforschungsschiffs und macht dabei keine Gefangenen. Der Anführer dieses Volks, Namora, sucht die Königin der Wakaner auf. Er ist der Meinung, dass diese mit den Menschen kollaborieren und fürchtet, die Menschen würden, wenn sie Vibranium in ihre Hände bekommen, sein Volk gefährden.
Die Wurzel allen Übels ist ihm zufolge also der Wissenschaftler, der den Detektor gebaut hat. Der muss verschwinden, damit die Menschen nicht an Vibranium gelangen. Da Namora und sein Volk seine geheime Existanz nicht offenbaren möchte, fordert er die Wakaner auf, für ihn und sein Volk zu arbeiten. Und dabei geht es von Anfang an nicht ohne Druck. Entweder sollen die Wakaner ihnen den menschlichen Wissenschaftler ausliefern, oder er und sein Volk würden Wakanda angreifen und auslöschen. Mit diesem "Angebot" lässt er die Königin und ihre Tochter Shuri zurück.

Diese haben ja eigentlich andere Probleme. Denn der vorherige "Black Panther" und Anführer Wakandas ist vor kurzem Verstorben und der Bruder der jungen Prinzessin. Die Trauer lastet noch schwer auf ihr. Trotzdem machen sich die Prinzessin Shuri und eine hohe Generälin der Wakaner auf in die Menschenwelt, um den Wissenschaftler (*) ausfindig zu machen. Hier treten sie mit einem CIA in Kontakt, der eine Art Vermittlerfunktion zwischen den Völkern hat und den Wakanern treu ergeben ist, da sie ihm sein Leben gerettet haben, vermutlich im ersten Teil. Mit seiner Hilfe finden sie heraus, wer den Detektor gebaut hat. Es handelt sich um eine junge Studentin. Die Prinzessin und die Generalin wollen sie mit nach Wakanda nehmen. Doch zunächst möchte die CIA sie davon abhalten - aus Eigeninteresse, schließlich stellt die Wissenschaftlerin nichts anderes als eine "menschliche" Wunderwaffe für die Amerikaner dar, um zur eigentlichen Wunderwaffe Vibranium zu gelangen, und die wollen sie sich nicht wegnehmen lassen. Die CIA kann die Wakaner und die Wissenschaftlerin, die nach kurzem Zögern kooperiert, aber nicht aufhalten. Sie ist den drei Powerfrauen und deren Knowhow und Technologie einfach unterlegen.

Dann tritt aber die neue Supermacht - die Nation der Talocan auf. Auf einer Brücke stellen sie die Wakaner und die Wissenschaftlerin, die gerne nach Wakana zurückkehren wollen. Sie entführen Shuri und die Wissenschaftlerin, die Generalin überlebt, kehrt nach Wakanda zurück und berichtet von der Entführung. Dies löst Entsetzen bei ihrer Mutter aus. Natürlich möchte sie ihre Tochter wieder zurückbekommen. Dafür sucht sie ihre andere Tochter auf, die anscheinend ein unglaubliches  Talent darin hat, sich unter das Volk der Menschen zu mischen und Informationen zu beschaffen. Ein Superdetektiv. Tatsächlich gelingt es ihr, so weit in die Nähe von Shuri zu gelangen, dass ihre Technik deren Ohrringe orten kann.

In der Zwischenzeit lernt Prinzessin Shuri den König der Talocan, Namora, besser kennen. Sie möchte ihn dazu bewegen, dass die Wissenschaftlerin nicht getötet werden muss, sondern einfach in Wakanda bleibt - also so vor den Menschen verborgen, wie der Staat selbst. Das leuchtet ein (und erinnert an Möbius in Dürrenmatts "Die Physiker") aber nicht dem König der Talocan mit dem Namen Namora. Er traut den Menschen nicht. Lieber wäre es ihm, einen Präventivschlag gegen die Menschen auszuführen mit Shuri und den Wakaner an seiner Seite. Man erfährt, wie sein Volk entstanden ist, was zurückgeht auf das Südamerika zur Zeit der "Konquistadoren". Ein Schamane lässt sie einen Trank aus einer Blume trinken, der zu Mutationen führt und diesen Stamm fortan unter Wasser leben lässt. 
Seine Mutter möchte aber an Land in ihrer alten Heimat begraben werden. Also kehrt Namora mit ihrem Leichnam nach Südamerika zurück. Als er dort sieht, wie ein anderes indigenes Volk vor seinen Augen zur Sklavenarbeit gezwungen und gepeitscht wird, verliert er den Glauben an die Menschheit und tötet alle Menschen vor Ort, bevor er sich mit seinem Volk ins verborgene Unterwasserexil zurückzieht. Er zeigt Shuri die Hauptstadt seines Reichs und diese ist fasziniert davon.

Sie soll dann über das Angebot von Namora nachdenken. Doch geortet von ihrer Schwester gelingt es dieser sie und die Wissenschaftlerin zu befreien. Dabei wird auch eine der Wachen von einer Wakanerin getötet. Zwischenzeitlich lenkt die Königin Namora außerdem ab, indem sie ihn vom Ort, an dem Shuri gefangen ist, weglockt und sich mit ihm unterhält.

Enttäuscht und verraten erklärt Namora seinem Volk den Krieg gegen Wakanda, der kurz darauf durch einen Angriff auf Wakanda ausbricht. Dem Angriff fällt die Königin Wakandas zum Opfer. Namora zieht sich zurück, stellt der Prinzessin Shuri aber erneut ein Ultimatum. Eine Woche. Und dann soll sie entweder mit ihm gegen die Menschen antreten oder sie und ihr Volk soll fallen.

Doch die Woche nutzt Shuri, deren Zorn entbrannt ist - sie möchte ihre Mutter rächen - und sie entwickelt Superrüstungen fertig für die Leibgarde. Außerdem gelingt es ihr zusammen mit der Menschenwissenschaftlerin die DNA der Pflanze, die das Volk der Naomra entstehen ließ, mit irgendeinem für ihr Volk wichtigem Kraut zu kombinieren, so dass auch sie einen Trank generieren kann, der sie zum "Black Panther" macht: Sie bekommt Superkräfte, scheint aber auch von Rache getrieben zu sein. Außerdem hat sie eine Superrüstung und sucht sich eine schicke goldgeschmückte Panthermütze aus. Zuletzt analysiert sie mit der Wissenschaftlerin die Schwachstelle Namoras und sie finden heraus, dass er Wasser braucht (auf der Haut), weil er daraus seine Kraft zieht.

Nach der Woche Zeit kommt es zum erneuten Kampf der Nationen. Diesmal gewinnt Shuri und die Wakaner durch ihre Cleverness und Shuris neue Superkräfte. Doch anstatt Namora zu töten, handelt sie besonnener, lässt sich eines Besseren belehren, unterwirft ihn nur und versucht ihn zur friedlichen kooperativen Koexistenz zu bewegen. Namora willigt ein. Ende gut, alles gut. 

Was dann noch kommt hat nichts mehr mit der Haupthandlung zu tun, diese ist abgeschlossen: Der Feind ist besiegt, der status quo ante wieder hergestellt. Das Ende bietet nur Stoff für neue Handlungsstränge: Shuri schlägt den Thron aus und begibt sich nach Haiiti zu ihrer Schwester. Namora deutet an, dass er seinen Plan, die Menschen zu bekämpfen nicht aufgegeben hat. Die Menschen würden Wakanda schon selbst angreifen und in einen Kampf verwickeln.

* Hier merke ich, dass Genderunsensible Sprache auf jeden Fall eine Wirkung hat. Denn ich ging davon aus, dass ein Mann gesucht wird. Dass "der Wissenschaftler" dann eine Frau ist hat mich aber weder stark irritiert oder verwundert, geschweige denn gestört, da das Prinzip einer gleichberechtigten und von Leistung determinierten Gesellschaft bei mir auf vollstes Verständnis trifft und zu 100% mit meinen Werten übereinstimmt.


Kommentar: 

  • - absolut mehrfachkodiert und dafür voller Identifikationsfiguren. Vor allem der "gutherzige Brüllaffe" fällt mir auf, als Identifikationsfigur. Oder "Alt gegen Jung" (Shuri und ihre Mutter oder Shuri und ihre neuen "Dolche" und ihr Kampfanzug vs. die "alte" Generälin oder auch die "coole" junge, geniale aber ungestüme Wissenschaftlerin). Eine weitere Identifikationsfigur ist der "mittlere Held", der "sympathische" CIA Agent, der nicht den vollen Durchblick hat, scheitert (seine Lügen fliegen auf, er wird durchschaut, seine Ehe ist gescheitert), sprich: der sympathische Looser und seine unsympathische Exfrau, die zufällig seine Chefin ist...Hätte es das gebraucht?
  • - wie ein alter Heldenmythos der Griechen. Vgl. Herkules oder so: Menschähnliche Wesen mit Superkräften treten gegeneinander an und verhalten sich menschlich, machen menschliche Fehler (hybris, Rachsucht, Vergeltung usw...) Herkules im Film ist erst Namora, weil er göttliche Kraft hat und fliegen kann. Erst später wird dann Shuri auch "göttlich". Aber sie ist die eigentliche Heldin. So wie Herkules z.B. den Stall des Augias säubern soll, muss sie die Wissenschaftlerin entführen und sich gegen die Namoraner behaupten
    • Der Gesang der Sirenen wird aufgegriffen - als Taktik der Namoraner
  • - wahnsinnig viel Kreativarbeit! Allein das Volk der Namoraner, als es auf den Krieg eingeschworen wird und ihre Handgeste...
  • sehr viele Rituale (Gesang, Trommeln) und Zeremonien (Aufstellungen, Zeremonien, Zeremoniell, Zeremonienkleidung) -> evozieren Gefühl des starken Zusammenhalts der Völker Wakandas und Namoras
  • - schön, dass Frauen und eine weibliche Care-Ethik den Film dominieren, auch dass die Wissenschaftlerin eine Frau ist
  • - vielleicht schön für people with color, dass der ganze Film sehr viel afrikanische Kultur transportiert, aber in Verbindung mit Hightech und Überlegenheit
  • - spannend: der Mix von Tradition und Fortschritt. Laptop und Lederhose nur anders...mit Congas und Vibraniumraumgleitern oder so. 
  • - die hamartia und der eigentliche Motor des Films: Namora, der nicht akzeptiert, dass die Wissenschaftlerin einfach in Wakanda "verschwindet". Seine eigentlich edlen Motive - sein Volk zu schützen - werden überlagert durch fehlende prudentia (Weisheit/Weitsicht) und clementia (Milde) und seiner hybris gegenüber den Wakandern, denen er sich überlegen fühlt (bis Shuri dann durch den Mord an ihrer Mutter motiviert "initialzündet") führt zu seinem Untergang. Er ermordet die Königin auch nicht direkt. Es sind Wassergranaten, die den Thronsaal lediglich fluten. Die Königin entschließt sich zu sterben, indem sie die Wissenschaftlerin vor dem Ertrinken schützt.
  • Selbstaufopferung der Mutter Shuris für die Wissenschaftlerin (heldenhaft)
  • Einsicht / Nachgeben, Anpassen, Lernen (Shuri) vs. Beharren, verhärten (Namora)
  • das Böse greift an, die gute Heldin muss nach einer Niederlage zu ihrer Stärke finden, das Gute gewinnt und die Heldin hat eine Entwicklung durchgemacht und am Ende noch etwas über sich selbst gelernt. #selfmastering 

Themen: 

afrikanische Kultur / Kultur, Technik / menschliche Zerstörwut und menschliches Kriegstreiben (Wettrennen um vernichtende Waffentechnologien) // Doppelmoral von Staaten: UN und Diplomatie vs. Geheimdienste und Militärlabors. / "Matriarchat"? / Herrschertugenden / Stärke vs. wahre Stärke / Genie und Wahnsinn / Hochmut und Fall / Sturm und Drang Genie / 


Ethischer Kern-Konflikt: 

1. "Darf man einen Menschen opfern (Wissenschaftlerin), um viel Leid zu verhindern?"
Utilitaristische "klassische" Antwort ("der weißen, alten Männer): Ja.
Bessere Antwort: care-Ethik: "Wir müssen sie nicht opfern, wir können sie verschwinden lassen."

2. Ökologischer Imperativ nach Hans Jonas und dem "Prinzip Verantwortung": Darf die Wissenschaftlerin einen Vibranium-Detektor bauen oder ist das unverantwortlich, weil er langfristig zu Krieg und Elend führen wird? 

„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Oder negativ ausgedrückt: Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens.“ (Hans Jonas)

Nebenkonflikt: Darf die Wissenschaftlerin in Wakanda ihre Mutter anrufen? --> Familienzusammenführung.


Dienstag, 9. August 2022

Film: Warten auf Bojangles (2022): A bitter sweet symphony


 Inhalt: 

Ein phantasiereicher Hochstapler mit dem Namen Georges trifft im Frankreich der späten 60ger auf die realitätsmüde Eskapistin Camille und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Er entscheidet sich dafür sie zur Frau seines Lebens zu machen und trotz ihrer Skepsis und ausgesprochenen Warnungen eines gönnerhaften besten Freundes ("Halunke") bezüglich des schweren Gemüts der Dame, heiratet er sie und versucht es ihr in allen Belangen recht zu machen, bis dass der Tod sie scheide. 

So ziehen die beiden zusammen und zeugen gemeinsam einen Sohn. Sie leben realitätsfern in ihrer eigenen Blase. Trübsinn und Probleme werden mit espritvoller Poesie weggeschoben und weggelogen. Dabei hat George eigentlich noch Anbindung an die Realität: Er arbeitet in einer Autowerkstatt und übernimmt diese auch und führt sie ordentlich, wenn auch ungerne. Doch er geht jeden Schritt mit, den Camille von ihm fordert. Er bringt jedes Opfer, dass ihre Liebe fordert. 

+ SPOILER +

Das Drama lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Camille möchte, das Georges aufhört zu arbeiten, um immer bei ihr zu sein. Georges verkauft also die Werkstatt. Kurz danach steht ein "Scherge" des Steuersystems vor der Türe mit der Botschaft, dass die Realität auch ihren Anteil möchte und das Fehler beim Verkauf der Werkstatt gemacht worden seien. 

Camille Gemüt - zunächst manisch depressiv mit mehr Manie als Depression, wird zunehmend fordernder. Sie sieht die Forderungen der "Philister" als Zumutung, verprügelt den Hiobsboten unter wütend, hysterischem Geschrei mit dem Regenschirm, geht nackt auf die Straße und zündet zuletzt alle ungeöffneten Briefe an, was zu einem kleinen Brand mit Feuerwehreinsatz führt. 

Die Lösung - die Einweisung in die Psychiatrie - erweist sich als Farce. Denn Heilung gibt es dort nicht für Camille, nur Unterdrückung und haarsträubende, foltergleiche Methoden, wie eine Zwangseisbadewanne und Sedierung. (Das ist nicht leicht anzuschauen!). 

Georges und sein Sohn bemerken das und entführen/ befreien Camille. Durch den "Halunken"kommen sie in Spanien in einem Schloss an der Küste von Valencia unter. Doch Camilles Wahnsinn steigert sich in eine Schizophrenie. Sie beschuldigt das Familientier, einen Kranich, sie böswillig und herablassend angeschaut zu haben. Sie erkennt Georges nicht mehr und schlägt ihn. Zuletzt begeht sie Selbstmord durch Tabletten. Georges ist tief erschüttert und lässt seinen Sohn im Schloss mit dem Halunken zurück. Warum? Das ist offen. Ich glaube, um seine Trauer zu überwinden. 

Fazit: Ein sehr aufwirbelnder und mitreissender Film über die bedingungslose Liebe zu einer schillernden Frau bis in den Tod. 


Aufbau: 

hamartia: Die Krankheit Chamilles, ihre Untauglichkeit für den Alltag.

erregendes Moment: Die Entscheidung, Camille zu heiraten und sie bedingungslos so wie sie ist zu lieben und zu unterstützen. 

Wirkung:

euphorisierend und beschwingt, aber er erregt auch "malalaise", wie es in Frankreich hieß: Beklommenheit und Sorge und die Idylle kippt irgendwann. Georges schafft es nicht mehr. 

Beeindruckend: Wie konsequent Georges das umsetzt. Wie er ihr in allen Situationen zur Seite steht, wie die drei ihren Regeln konsequent folgen und sich immer wieder an ihren Lügengeschichten aus der Tristesse und den Katastrophen herausziehen. Solange es klappt... 

Fazit: 

Ein verstörender Drama-Film, der zugleich sehr märchenhaft ist (der Prinz, der die Prinzessin rette, sie ziehen in ein Schloss usw...), bunt und wundervoll phantasiereich - aber genauso alptraumhafte Sequenzen hat und zuletzt eben doch in der Katastrophe endet. 



Donnerstag, 24. März 2022

Rico, Oskar und das VomHimmelhoch


Oh wie dankbar war ich Andreas Steighöfel dafür, dass er Rico und Oskar ein Weihnachtsabenteuer erleben lässt! Denn grau, grau grau war der Winter dieses Jahr und nichts wärmt den Geist mehr denn gemeinschaftliches Musizieren oder - wenn das nicht geht und wenn man kein Kaminfeuer hat - Literatur. Besser noch wird es, wenn die Literatur zur Jahreszeit und zum Thema passt. Und was passt da besser unter den Weihnachtsbaum als ein Weihnachtsroman mit dem hochsympathischen "tiefbegabten" Rico Doretti und seinem nicht minder speziellen Freund Oskar? 

Und bei denen ist was los. Es ist Heilig Abend. Rico steht am Fenster und schaut über Kreuzberg. Er und Oskar wollen noch ein paar Geschenke kaufen. Last Minute, sozusagen, und sie wollen Frau Darling "Hallo" sagen, die im Einkaufszentren an der Wursttheke arbeitet. Doch es brauen sich einige Dinge zusammen! Zum einen ein gewaltiger Wintersturm, zum andern die Klärung eines Falls aus dem Sommer, als Rico neue Freunde gefunden - und wieder verloren hatte - und zuletzt eine Entfremdung zwischen Rico und Oskar, denn Oskar hat ein Geheimnis, das er vor Rico verbirgt. So, mehr darf ich aber nicht verraten, sonst mache ich mich des Spoilerns schuldig. 

Erzählt wird die Geschichte wieder aus der Sicht Ricos. Sowohl das was passiert, als auch das, was Rico vermutet oder wunderbar verschroben interpretiert. Dabei ist Rico einzigartig und rührend gutherzig! Wer nicht weiß, wie man jemanden tröstet, dem wird hier ganz einfach gesagt, wie das geht auf S. 165-170. "Jeder weiß das. Aber manche Leute muss man ab und zu daran erinnern". Auch die sehr eigenwilligen Erklärungen von Fremdwörtern sind wieder in die Handlung mit eingebunden. So erfährt man z.B. was Kulinarik (für Rico) ist oder Argusaugen, etc. 

Ganz besonders hat mir das Finale der Geschichte gefallen. Steighöfel gelingt es so perfekt zwischen Kitsch, Klischee, Rührung, Vorbildfunktion, Komik, Phantasie und Realismus zu beschreiben, wie SPOILERALARM der Tag der Geburt und der Kontakt zwischen Rico und seiner neuen Schwester und der Mama aussehen könnte, dass es herzerweichend ist! 

Fazit: perfekte, kurzweilige Lektüre für die kalten Tage, durch die man etwas über die Themen Freundschaft, Familienintimität und - Nachwuchs, Naturgewalt, Patchwork und kulturelle Offenheit lernen kann. Vielen Dank Herr Steinhöfel!  

Donnerstag, 24. Februar 2022

Worst Case reality - Raubtierstaaten und Rüstungsspiralen :(



Dreck euer Krieg!
So macht ihn doch allein!
Wir drehen die Gewehre um
Und machen einen anderen Krieg.
Das wird der richtige sein.

(Bertolt Brecht in seinem "Lied gegen den Krieg") 

Ich bin sprachlos und schockiert gegenüber dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Mein ganzes Mitgefühl und Beileid ist bei der betroffenen Zivilbevölkerung, bei 41 Millionen Bürgern - Frauen, Kindern, Schülern, Studenten, Männern, Arbeitern, Politikern - die nun in Angst um ihr Leben sein müssen, in deren Leben der Krieg einbricht, in deren Häuser Raketen aus heiterem Himmel einschlagen können, als würde Zeus noch willkürlich seine Blitze schleudern. Doch Brecht lehrte uns: Krieg ist menschengemacht. Derzeit scheint es so, dass wirklich nur Vladimir Putin Kriegstreiber Nr. 1 ist. 

Dieser Krieg ist also Putin gemacht. Herr Putin, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich Sie anklage für das Leid, dass sie generieren! Nach dem Fall Navalnys und Skripal, dem Podcast "Der Mann in Merkels Rechner" und nun diesem unfassbaren Eskalationsschritt haben Sie  in meinen Augen alles Recht auf Leben verwirkt. Ihr Handeln, einen souveränen angrenzenden Staat ohne irgendeinen überzeugenden Grund angegriffen zu haben, ist genauso verwerflich wie der Überfall auf Polen durch die Nationalsozialisten  1939. Sie sind ein Raubtier, Russland ein Schurkenstaat, der ein unschuldiges Beutetier einverleibt. Sie beschwören den Kalten Krieg wieder herauf, man wird wieder vom "bösen Iwan" reden und vom "russischen Bären". Predator Putin. Wundern Sie sich nicht, wenn die Jagd eröffnet wird. 

Im besten Fall - meine Prognose - werden wir einen neuen Eisernen Vorhang entlang der russischen Staatsgrenze haben. Die NATO wird aufrüsten und Russland mit dem neuen Verbündeten China auch. Eine Rüstungsspirale nach oben - wer sich die Hände reibt, ist die Waffenindustrie. Verlierer ist das Volk und diesmal auch ich, denn diesmal bin ich hautnah und vollbewusst dabei. Ich spüre die Ohnmacht, ich verstehe Kohls Ausspruch der "Gnade der Nachgeborenen". 

Ich habe Angst, ich empfinde ohnmächtige Wut. Ich wünsche mir Frieden. 

Der Prolet baut ihnen die Kriegsmaschinen
Für einen schlechten Lohn
Damit sie ums Leben bringen mit ihnen
Mancher Proletenmutter Sohn.
 
Dreck euer Krieg! So macht ihn doch allein!
Wir drehen die Gewehre um
Und machen einen anderen Krieg.
Das wird der richtige sein.

Samstag, 22. Januar 2022

Spiderman - No way home: Flach wie 10km Sandstrand

Unterhaltsam? Ja. 

Tiefgang? Hahahahaha! Nein. 

Sonst was? Nein. 

Und was sagt der kritische Blick? Der sagt: Das ist ein Teenie-Film und die drei Teenie Hauptfiguren sind schlechte Vorbilder für die Jugend da draußen: Clowns und trottelige clumsy Antihelden. So dumm, dass sie sich wahrscheinlich nicht mal selbst eine Tiefkühlpizza zubereiten könnten. 

Der Rest sind Spezialeffekte. Fazit: Unterhaltend? Ja. Sonst Nichts. Flach wie 10km Sandstrand. 

"Was ist cooler als Magie? Mathe!"