Sonntag, 2. April 2017

IP Man 3

IP Man - ein konfuzianischer, selbstloser, besorgter Familienvater rettet die Schule seines Sohns, seine Ehe und verteidigt seine Ehre als Win Tsung Großmeister. Das alles zu 90% in perfekter Selbstbeherrschung, konfuzianischer Ausgeglichenheit, patriarchischer Selbstsicherheit und anmutiger Bewegung. 
Der Stil seines Kung Fus ist von gelassener Überlegenheit geprägt. 

Ein klassischer Heldenfilm, der viele Werte vermittelt: 
Treue, Liebe als Sorgen für den Andern, unbedingte Familienliebe, die alles andere hintenanstehen lässt, Entschlossenheit, Rechtsstaatlichkeit und Rechtschaffenheit, Bescheidenheit, Kommunismus. 

Schade, dass ein paar Seiltricks eingebaut wurden - ohne diese wäre die ästhetische Qualität der schönen Bewegungen vielleicht noch reiner gewesen.

Freitag, 24. März 2017

Aufruf zur Inventarisierung!

Ich mag die Stille, die Ruhe in Gedanken
Mehr als das Hin und Her von Geldströmen zwischen Banken
Mehr als die Bewegung, die sie in Menschen bringen
Für Ausbeutung und Profit, nur zum eigenen Gelingen

Ich mag Projekte, von Menschen für den Menschen
In denen wir die Hand reichen anstatt uns zu bekämpfen
In denen wir uns helfen und wir einander sehen
Geistig dadurch begreifen, wofür wir eigentlich stehen

Für mitleidlige Wesen, Wesen mit Empfinden
Mit Sozialfähigkeit und Essen und Trinken
Wir sehen mehr als der Fisch, Als der Affe im Baum,
als der Vogel in der Luft Doch wir verstehen uns kaum


Schaun weg von unsrer Natur unsrer Einzigartigkeit
von unserm Auftrag unsrer Zukunftsfähigkeit.
Unser höheres Bewusstsein knechten wir im Streit
In Neid und Hass und Gier und anderer Seltsamkeit.

Was verstellt uns den Blick? Was macht uns zu Primaten?
Warum ruft niemand: Stopp, Jo, lasst mal alle warten!
Lasst uns überdenken, was wir hier eigentlich tun.
Sollten wir nicht längst umlenken oder lieber gar nichts tun?

Was bedeutet Fortschritt mehr, als „Das Hamsterrad wird schneller“?
Wer beherrscht hier wen? Warum essen wir vom Teller?

-
Die Maschinen werden schneller, nicht aber die Menschen.
Die Maschinen werden klüger, nicht aber wir Menschen.
Die Tiere bleiben gleich, und was tun wir Menschen?
Wir reden schnell und viel doch stehn da mit leeren Händen.





 






Montag, 20. März 2017

Fernab vom Mainstream liegen Musik-Meilenstein:

Komplexe Soundart Musik:
https://soundcloud.com/culprate. und zum Einstieg der Song "whispers": https://youtu.be/owZOaV4TYY8
"Schöne" Musik
Meiner Meinung nach der perfekte Soundtrack zur Untermalung von Kalékos "Das graue Haar". Abgesehen davon simply beautiful music: https://soundcloud.com/erasedtapes/olafur-arnalds-nils-frahm-life-story




Montag, 27. Februar 2017

Einsame Menschen in der Petrischale - zu Gerhardt Hauptmanns Stück, gesehen im Theater Ensemble Würzburg

Gerhart Hauptmann kennt man als Autor des Naturalismus, der durch sein Stück "Die Weber" auf das Elend durch das Aufkommen der industrialisierten Massenware aufmerksam machte. Dabei hat er  noch ein anderes Stück mit dem Namen "Einsame Menschen" vefasst, das sich als wahre Perle herausstellt.

Inhalt:

Der intellektuelle gut situierte Johannes hat sich mit seiner Frau Käthe und neugeborenem Kind sowie der Mutter auf ein Landgut an einem Teich zurückgezogen, um dort in der harmonischen Ruhe der Natur sein Manuskript mit reformrevolutionären Gedanken zur Lage des Reichs voranzutreiben. Ab und zu besucht ihn ein befreundeter Maler. Die Stimmung ist bereits angespannt, als sich Anna Mahre durch einen Zufall auf dem Gut einfindet und Bekanntschaft mit Johannes macht. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Während Anna vorerst "nur" gut mit allen Bewohnern auszukommen scheint, stellt sie für Johannes den Inbegriff all dessen dar, was er vermisst hat: Interesse und Verständnis für seine Gedanken, Aufgeschlossenheit und Fortschritt für seine Generation und Leichtigkeit und Frohsinn für sein Gemüt.(ab jetzt Spoileralarm)

Wo das gewohnte Umfeld nur das Äußere oder das, was es sehen möchte, in Johannes wahrnimmt und projiziert, ist Anna ganz unbefangen und offen. Ein Verständniskonflikt und Eifersuchtsdrama entwickelt sich in dem die unglücklich Dreieckskonstellation Johannes - Käthe - quasi Teil eines Fünfeckigen Cyphers ist, in dem sich Religion und Wissenschaft als Gegenpole dazugesellen. In der Mitte des Cyphers prallen die Kostellationen dann in Mikroszenen aufeinander: Aufklärung, Emanzipation der Frau, christliche Fürsorge und Selbstaufgabe, Ablehnung und Akzeptanz, Ideal und Wirklichkeit und vieles mehr.
Das Stück endet in der totalen Isolation Johannes mit anschließendem Suizid nach der heftig umstrittenen Abreise Annas  und einem Nervenleiden von Käthe, seiner Frau.

Interpretation:

Der Konflikt ist schon vor Einsetzen der Handlung da. Er besteht zum einen im Charakter Johannes, der ein typisches Beispiel für einen gelehrten Intellektuellen in der Krise darstellt. Ein leidenschaftlicher, aufbrausender, sehnsüchtiger, durstiger, idealistischer, weitschweifender Gelehrter, der an seiner Zeit scheitert.  Er steht von Anfang an mit der Welt in Konflikt, da er "das Unmögliche zusammenbringen möchte" und den ewigen Konflikt von Ideal und Wirklichkeit auf den Schultern trägt. Dazu gibt es ein passendes Schiller-Zitat: 

"Ewig aus der Wahrheit Schranken rast des Mannes wilde Kraft, unstet treiben die Gedanken,
auf dem Meer der Leidenschaft, gierig greift er nach der Ferne, niemals wird sein Durst gestillt, rastlos durch entlegne Sterne, jagt er seines Traumes Bild."

Auf der anderen Seite scheint die Konstellation zwischen Käthe und Johannes zum Scheitern verurteilt. Die beiden passen nicht zusammen, da Käthe Johannes nicht genügt. Geht man davon aus, dass sich Ehepartner ergänzen und zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen sollen, so ist das hier einfach nicht der Fall. 

In diese ungesunde Anfangskonstellation kommt nun Anna herein. Sie bringt ein im Vorhinein gefährdetes System vollends aus dem Gleichgewicht. Der Schlüsselmoment des Stücks liegt in dem Moment, in dem sich Anna und Johannes hätten trennen können, als ewig im Geiste verbundene, die sich selbst dem Gesetz unterwerfen, sich nicht miteinander zu vereinen und in der paradoxen Freiheit, sich diesem Gesetz zu unterwerfen, Trost und Würde finden. Da Johannes die Stärke fehlt, sich dem Gesetz zu unterwerfen, scheitert der Versuch und das Stück endet in der Auslöschung der Figur des Johannes. 
Eine Alternative gibt es in der Situation nicht. Die Krise führt ins Dilemma, einer Situation, in der moralisch nicht einwandfrei gehandelt werden kann. Gegen die Auflösung der Ehe mit Käthe spricht nicht nur die Konvention. Auch der Umstand des erst neugeborenen Kindes verpflichtet, bindet und hält Johannes in der Familie. Auf der anderen Seite leidet Johannes in der gegebenen Situation und selbst wenn er Anna hätte ziehen lassen, es wäre ihm wie ein Opfer vorgekommen und er dürfte sich nicht erhoffen Dank für diese Entscheidung zu empfangen. - ein Dilemma! 

Das Stück ist natürlich irgendwo im Realismus anzusiedeln. Geschrieben 1890, Dialekteinflüsse, realistische Konflikte und Szenen, wissenschaftlicher Hintergrund und Nähe zur Milieustudie.


Die Inszenierung in der Theaterwerkstatt 

Die Inszenierung ist wuchtig, nackt, spannend wie ein Thriller. Man mag ja zurückschrecken vor so "harter Kost", aber sie lohnt sich. Kunst lohnt immer und hier geht es um große Kunst! Das Stück hat keine längen, keine Momente, in denen man sich für etwas Schämen würde, zwei oder drei Stellen, in denen man sich etwas über die Inszenierung wundern könnte aber im Gesamten ist sind Stück und Inszenierung herausragend! 
Die Schauspieler überzeugen durchwegs durch Können (Kati Reich - Präsenz, Energie, Wachheit und Leichtigkeit im Schauspiel, Thomas Schröter durch enorme physische Präsenz, stimmliche Präsenz und Nuanciertheit, Franziska Wirth durch Einzigartigkeit und sehr charaktervolles Ausfüllen der Figur - selbiges gilt für Dirk Kählert, Giesbert von Liebig durch sympathisches Schauspiel einer sympathischen Rolle und große Glaubwürdigkeit im großen Moment der Figur in der Verurteilung Johannes ebenso wie Norbert Berteau, der noch im Hintergrund unzählige Strippen für das Theater zieht, Annika Förster (Bühnendebut!!!) und Angela Fricke mit überragendem Dialekt. Das Stück an sich hat großartige Momente, in denen ein jeder sich zumindest zum Teil wiederfinden kann. Unterm Strich: Bravo! Und wer noch die Chance hat: Anschauen! 

Bilder und mehr: 

http://theater-ensemble.net/performance/einsame-menschen/

  

Montag, 2. Januar 2017

Dieser Film ist Donald Trump!

Aufgeblasen, irgendwie unterhaltsam aber unangemessen: Dieser Film ist Donald Trump!

Wollen es nicht zugeben:
Die Schauspieler des Films

"This is the End" unterhält mit grinsender Plastikfassade unter der Gürtellinie schaulustiges, leicht übergewichtiges scheinheilges Publikum.


Wer auch immer nach einfachen Erklärungen in einer komplexen Welt sucht und sich Absolution durch  Minutencaritatismus erhofft,  der ist hier an richtiger Stelle: Die Träumemacher aus Hollywood haben ein Seifenopfernmärchen komponiert mit allem, was dazugehört: Drogen, Blut, mittlere Helden, Sympathieträger und Identifikationsfiguren, gute und schlechte Vorbilder, Lachmomente, zotige Sex-Witzchenen und massenhaft Schimpfwörter. Das lässt die Kasse klingeln, den Menschen lachen und Popcorn in sich stopfen. Jedenfalls ist es unterhaltsam. Dabei wird die Story buchstäblich auf apokalyptische Ausmaßen aufgeblasen, um in einer triefigen Fettblase zu platzen. Aber am Ende ist alles gut. Nämlich so, wie davor, nur besser: Party ohne Regeln aber mit Backstreet-Boys.
Nicht alles, was Gold ist glänzt auch. Ist denn das die Vorstellung vom Himmel? Ein Ort, an dem man sich Joints am Heiligenschein anzünden kann? Man muss kein Heiliger sein, um Moralapostel spielen zu dürfen und das nehme ich mir heraus: 
Diese Geschichte ist wirklich dumm und dünn. Sie unterstreicht die Klischees und Lebensstandards einer selbst- und vergnügungssüchtigen EGO-Gesellschaft und versucht sie zu rechtfertigen. Das mag unterhaltsam sein, aber unterm Strich ist es kriminell. 
Es legitimiert einen Lebensstil, der im Rahmen der Erklärungsmuster kollektiver Schuld (- zwei Drittel der Zuschauer würden hier aussteigen oder angewider weghören -), die Welt verpestet, Hass, Armut und Ungerechtigkeit schürt. 
Die Schauspieler sehen ihre Aufgabe darin, wie sie selbst im Film thematisieren, Menschen "Freude in ihr Leben zu bringen", deswegen seien sie gut. Wirklich gut wären die Schauspieler aber, wenn sie ihr Publikum über wirklich bedeutsame Prozesse aufklären und es über die Folgen seines Verhaltens reflektieren ließe. Wie wäre es zum Beispiel mit Prinzessin Mononoke als Gegenbeispiel gelungener Filmkunst? Aber das lässt die Schauspieler und Produzenten  - beides fällt hier "komischerweise" zusammen - nicht so, wie sie es selbst sagen, "extrem viel Geld verdienen". Also machen Sie es nicht. Verkauft haben sie sich eh schon lange davor.
Als Mensch mit Gewissen kann man ruhigen Herzens rausschreien: Das goldene Stück Scheiße geht an euch: Für die perfide Legitimierung und Stabilisierung einer egoistischen, ausbeuterischen Gesellschaft. 
Donald Trump würde dieser Film als Produzent gefallen: scheinheilig, skrupellos, verschwenderisch, dickauftragend, aufgeblasen, irgendwie auch unterhaltsam. Aber eigentlich albern und der Situation unangemessen. 
Dieser Film ist Donald Trump. 







Making of dieses Kommentars: 

Vorwort:

Es gibt so Abende, da wird man in einen Film reingezogen. Hirn aus, Herz an und man sitzt in einer supernetten Runde vor der Mattscheibe. Und dann wird zusammengerückt und das Flimmern greift nach unserer Seele. Aber leider ist das, was dabei rauskommt, nicht immer Liebe. Manchmal fühlt man sich auch einfach gef... 
Der aufmerksame Leser wird merken, dass mir der Film von gestern nicht unbedingt gefallen hat und was in meinem Magen liegt. Deswegen: "This is the End": Gib mir meine Zeit zurück!
Der aufmerksame Leser wird auch beantworten können, welches Magazin ich in letzter Zeit öfters gelesen habe: a) SZ-Magazin b) FAZ-Magazin c) Vice. Der aufmerksame Leser wird auch bemerken, dass ich als letztes über Michael Ende geschrieben habe und seit einigen Wochen Tocotronic's "Michael Ende, du hast mein Leben zerstört" vorsinge. Der aufmerksame Leser wird auch gemerkt haben, dass ich selbst mein einziger aufmerksamer Leser bin, sonst liest das hier eh keiner. Aber trotzdem: Scoobi-Doo-Pack-Hollywood-Pack: Gib mir mein Leben zurück! 


Voruntersuchung: 

1. Die Handlung (sloppy): 

1. Schauspieler wird auf Party geschleppt, die ihm nicht gefällt. 
2. Welt gerät total aus den Fugen (wirklich!)
3. Schauspielerrest verbarrikadiert sich in Luxushaus
4. Vorräte werden rationiert aber gehen trotzdem zu neige
5. Stoßtrupps werden ausgesendet (Losen mit Streichholz) 
6. Verdacht wächst, dass draußen die Apokalypse herrsche
7. Verdacht bestätigt sich und Arschlöcher müssen Saulus-Paulus Mutation durchmachen
8. Ende gut - alles gut (Heaven isn't a Half-Pipe, but Backstreet Boys make Music there)

Und die Moral von der Geschicht: Böse Menschen trifft das jüngste Gericht. 
Okay, und weil heute Silvester war, das Ganze nochmal in altbackener Manier: 

2. Die Handlung Inhaltsangabe: (sauberer, standardsprachlicher Nominalstil, nur Inhalt)

1. Missbehagen eines Schauspielers
2. Einbruch paranormaler Naturgewalten 
3. Abschottung, Rationalisierung und Regelfindung der Überlebenden Partygäste
4. Vorratsbeschaffung nötig
5. Erklärungsversuch
6. Rettung durch christliches Verhalten wird offensichtlich
7. Wiedersehen im Himmel 

3. Die Handlung (und jetzt setzen wir einen drauf zur strukturieren Inhaltsangabe (Inhalt+Funktion))

1. Vorstellen der Ausgangssituation: wilde Party von egoistischen Menschen (Exposition)
2. Einsetzen der Haupthandlung: katastrophal-paranormale Geschehnisse (erregendes Moment)
3. Etablierung des neuen Status Quo: Abschottung, Rationalisierung und Regelfindung
4. Zwischenepisoden: Stoßtrupps und Nahrungssuche
5. Einleiten der Auflösung: Hypothesenbildung "Apokalypse"
6. Bestätigung der Hypothese und neue Handlungsalternativen: Caritas als Ausweg
7. steigernde Episoden und finaler Höhepunkt: Bewährungsprobe(n) der Charaktere 
8. Auflösung zum Happy End: Wiedertreffen im Himmel 


Entwicklung eigener Gedanken

Wie so ein Hollywood-Rollbraten gespickt ist? Mit jeder Menge Drogen, Blut, mittleren Helden, Sympathieträgern und Identifikationsfiguren, guten und schlechten Vorbildern, Lachmomenten, Sex-Witzchenen und Schimpfwörtern. Alles, was sich verkauft und gute Laune macht. Donald Trump würde dieser Film als Produzent gefallen: scheinheilig, skrupellos, verschwenderisch, dickauftragend, aufgeblasen. Irgendwie natürlich unterhaltsam. Aber eigentlich albern und der Situation unangemessen. Moment: Dieser Film ist Donald Trump. 
Und wäre ich jetzt ein professioneller Autor, dann würde ich den Knoten zuerst bringen und das an den Anfang stellen, um meine Beweisführung zu starten. Etwa so: 




Moses 32,35 gegen Extremismus

Wenn das die Salafisten wüssten:

Die Rache ist mein; Ich will vergelten. Zu seiner Zeit soll ihr Fuß gleiten; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu.



Sonntag, 11. Dezember 2016

Kurz vor Zwölf ?! Michael Endes Wunschpunkt bringt Umweltethik auf den Punkt!

Inhalt:

Der Schwarzmagier Beelzebub Irrwitzer hat ein Problem: er läuft Risiko vertragssäumig zu werden, denn all seine ungemeinen höllischen Zauberkräfte hat er nur unter der Bedingung gekommen, zehn Tierarten auszurotten, fünf Flüsse zu vergiften, eine Seuche unter die Menschheit zu bringen und tatkräftig am Klimawandel mitzuwirken, damit noch mehr Überschwemmungen und Dürreperioden den Planeten schütteln.

Nun ist es nicht so, dass Irrwitzer unfähig ist. Aber er hat getrödelt und das lag daran, weil ihm ein tierischer Spion, der Kater Mauricio, vom Hohen Rat der Tiere ins Haus gesetzt wurde. Der hemmte Irrwitzers Tempo, denn der Magier sah sich veranlasst, dem Kater heile Welt vorzuspielen und ihn zu vertätscheln anstatt rigoros seinem Vergiftungsprogramm nachzugehen.
Den höheren Kräften ist das natürlich egal und so hat Irrwitzer nur noch die wenigen Stunden bis Mitternacht, um seine Säumnisse aufzuholen.
Die Rettung naht, als seine Tante Tuty sich unvorangemeldet einlädt. Sie hat das gleiche Problem aber auch die Hälfte der Lösung im Gepäck: Das Rezept für den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch. Ebenfalls bringt sie einen Spion des Hohen Rats der Tiere mit, den Raben Jakob Krakel.

Was folgt ist ein doppelbödiges Täuschungs- und Versteckspiel voll komischer und tiefsinniger Situationen in denen Irrwitzer und seine Tante einerseits versuchen, den Wunschpunsch herzustellen und Jakob und Maurizio andererseits die Welt zu retten.


Kommentar:

Michael Ende lieferte 1989 einen großartigen Wurf ab: Ein fantastisches, humoristisches und absurdes mehrfachadressiertes Märchen mit Mitteln der Parabel, in dem unter anderem die Themen Freundschaft, Identität, Umweltzerstörung und menschliche Verantwortung(slosigkeit) im Gebrauch von Wissenschaft und Wirtschaft, die philosophische Haltung dazu, Unterdrückung und Revolution behandelt werden.

Das Genre: 

Da Tiere sprechen, Steinfiguren lebendig werden, Zauber- und Magie walten, der Ort und die Zeit relativ unbestimmt und ewigkeitsgültig gelten dürfen und die Figuren auch wie Archetypen wirken, deutet vieles darauf hin, dass es sich bei dem Buch in erster Linie um ein Märchen handelt. Eingebaute Rezepte, Zaubersprüche, Gedichte und Lieder lockern den Text auf.
Man kann das Märchen aber auch als Parabel lesen, denn in der Geschichte wird dem Leser eine Situation angeboten, die er entschlüsseln muss, um eine andere Handlung zu erkennen. Der Bildebene steht eine zu entschlüsselnde Sachebene gegenüber.
Hinter dem Text verbirgt sich eine beissend komische Kritik an der menschlichen Ethik gegenüber der Umwelt. Irrwitzer und Tante Tyti entpuppen sich als Vertreter der Menschheit. Dabei steht Irrwitzer für die Wissenschaft und Technik, wohingegen Tyti die Wirtschaft präsentiert. Der Roman spielt vor, wie skrupellose Forschung und profitorientierte Investitionsfreude die Umwelt zerstören. Er entlarvt diese Mechanismen zum einen und wirkt damit klar aufklärerisch. Zum andern wirft er die Frage auf, welche Ethik und welche Taten die Zerstörung der Erde aufhalten können. Ein dritter Boden entsteht durch die Zeitsetzung der Geschichte. Es ist kein Zufall, dass die Handlung um kurz vor zwölf ansetzt, denn wir alle kennen das Sprichwort "es ist kurz vor zwölf", das Eile gebietet und uns ermahnt, rasch eine Lösung für ein Problem zu entwickeln.
Es wurde nun klar, dass das Buch sowohl märchenhafte als auch parabelhafte Züge trägt. Dennoch zählen Märchen und Parabel eigentlich zur Gattung Kurzepik. Da das Buch in der Taschenbuchausgabe gut 200 Seiten zählt, muss das Werk im gesamten aber als märchen- und parabelhaften Roman klassifizieren.
Geht man einen Schritt weiter, lassen sich aber auch viele Gestaltungsmittel der Satire in dem Text finden: Er prangert auf ironische, überspitze und humoristische Weise das Verhalten der Menschen gegenüber der Natur an, lehrt uns Heldenhaftigkeit und wahre Freundschaft, polemisiert gegenüber Raubtierkapitalismus und tatenloser Philosophie und ist dabei unterhaltsam.

Zusammengefasst kann man also von einem märchen- und parabelhaften und satirischem Unterhaltungsroman sprechen. Durch den Verzicht auf explizite Gewalt lässt er sich auch in die Reihe der Kinder- und Jugendliteratur einordnen. Doch durch seine brisante Thematik und die philosophische Doppelbödigkeit ist das Werk auch an Erwachsene adressiert.

Besonderheiten: 

Besonders ist in dem Buch, dass die erzählte Zeit und die Erzählzeit nahezu deckungsgleich sind. Anstatt von Kapiteln werden dem Leser Uhrzeiten genannt. Der Roman beginnt gegen 17:00h und endet gegen Mitternacht. Die erzählte Zeit erstreckt sich als auf etwa sieben Stunden, was wiederum etwa der Zeit entspricht, die man braucht, um den Roman zu lesen.

Die Illustrationen von Regina Kehn im Buch geben Zeit, das Auge ruhen und entdecken zu lassen und sprechen einen anderen, als den kognitiven Sinn an.

Ein besonderes Schmanckerl in dem Roman ist Michael Endes derbe Kritik an Marcel Reich Ranicki, der als "Büchernörgli" in dem Roman auftaucht.

Zitate: 


„Wir Leute aus der vornehmen Welt“, so hatte er (Maurizio) dem Zauberer öfters erklärt, „wissen eben, worauf es ankommt. Auch im Elend halten wir das Niveau“ (Maurizio)

"In der Ewigkeit", sprach er, "leben wir jenseits von Raum und Zeit. Es gibt kein Vorher und Nachher und auch Ursache und Wirkung folgen einander nicht, sondern sind ein immerwährendes Ganzes. Darum kann ich euch jetzt schon den Ton schenken, obgleich er erst um Mitternacht erklingen wird. Seine Wirkung wird der Ursache vorausgehen wie bei so vielen Gaben, die aus der Ewigkeit stammen" (St. Sylvester
Fazit: 
Unbedingt lesenswertiges Kultbuch mit Aktualität hinsichtlich epochaltypischer Problem- und Fragestellungen. Lesen, lesen, lesen!


Zur Parabeldefinition: Parabel
Zur Satirendefinition: Satire