Montag, 10. Mai 2021

Parasite – belanglose Unterhaltung in großartigen Bildern und abstoßender Handlung


Ein Film aus Korea mit dem Namen „Parasite“. Der Trailer weckte Neugierde und Furcht in mir, da ich kein Fan des „Feinds im eigenen Haus“-Psychothrillers bin. Nachdem er aber oskarnominiert war und auf Prime zu sehen war, gab ich ihm eine Chance.

 

Die Handlung

 

In einer Großstadt in Südkorea (S-Bahn-System) kämpft sich eine arme Vater-Mutter-Tochter-Sohn-Familie mit dem Namen "Kim", die im Souparterre in einer kleinen Wohnung haust, auf ihre Art und Weise durch. Sie verdient ihr Geld mehr schlecht als recht mit Jobs wie z.B. dem gezeigten obligatorischen Pizzaschachteln falten. Mit dem Anstand der Mutter ist es dabei nicht so weit her. Der kleine finanzielle Erfolg am Payday wird in Dosenbier umgesetzt und in trauter Familienenge begossen. 

 

Bewegung kommt in die Geschichte, als ein Freund des Sohns dem Sohn einen Nachhilfeposten in Englisch für eine Tochter aus gutem Hause vermittelt. Nach einer Begutachtung durch die Mutter bekommt er den Posten. Bereits hier zeigt sich das verfängliche Talent des Sohns, das in der ganzen Familie liegt, zu lügen und zu schauspielern: Es gelingt dem Sohn seine Schwester als Kunsttherapeutin "Jessica" aus "Illinois" für den kleinen Sohn im Hause zu anstellen zu lassen, obwohl diese keinerlei Qualifikationen dafür aber ansehnliche Photoshop-Kenntnisse besitzt. 

 

Nun erhält die Maßlosigkeit Einzug ins Geschehen. Dem Chauffeur wird von der Tochter eine Falle gestellt, der eigene Vater wird als kompetenter Ersatz eingeschleust. Doch damit ist die Familie Kim Immer noch nicht zufrieden. Zuletzt wird noch die quasi zum Hausdinventasr gehörende Haushälterin skrupellos und perfide hinausgeekelt. Dabei bedient sich die Familie deren Pfirsich-Allergie, vergiftet sie heimlich immer wieder und lässt die Hausmutter glauben, dass es sich bei der guten Frau um eine TBC-Patientin handelt, die ihre Tuberkulose verheimliche. Als Ersatz kommt – natürlich – die eigene Mutter als neue Haushälterin ins Haus. Damit ist schlussendlich die gesamte Familie Kim im Haus der guten Familie "Park" angestellt. 

 

Der Höhepunkt ist erreicht und die Familie feiert das Erreichte in asozialer Trautheit. Als die Hausbesitzerfamilie zu Ehren des kleinen Sohnes einen Campingausflug machen, um dessen Geburtstag zu feiern,  wird geknabbert und der Whisky aus der Hausbar getrunken. Doch der Friede währt nicht lange und nun muss alles ins Negative kippen. (--> Wendepunkt)

 

Jetzt spitzt sich die Handlung zu. Auslöser ist eigentlich ein katastrophaler Starkregen. Dieser bringt Geschehnisse ins Laufen, die sich aufs ungünstigste Miteinander verweben. Außerdem kommt eine zweite „unerhörte“ Begebenheit zur ersten unerhört (dreisten) Begebenheit des Einschmarotzens hinzu. Die alte Haushälterin klingelt im strömenden Regen und bittet um Einlass. Sie habe etwas im Keller vergessen. (Spoiler) 


Dort lebt ihr Mann in einer geheimen Tiefgeschoss-Bunkerwohnung, die für den Fall eines Atomkriegs oder eines Angriffs aus Nordkorea versteckter Bestandteil des Hauses ist. Den muss sie versorgen. Es kommt wie es kommen muss. Mit einer unaufhaltsamen Zielstrebigkeit läuft die Handlung nun auf ihr Ende in Katastrophenform zu. Die Haushälterin entdeckt den Schwindel und erkennt die einzelnen Bediensteten als zusammenhängende Familie. Sie versucht sie mittels einem Handyvideo, das just diese Tatsache beweist, zu erpressen, denn sie könnte es an die Hausbesitzer schicken. In einem Moment der Unachtsamkeit geht die Schmarotzerfamilie zum Angriff über, überwältigt das alte Ehepaar und sperrt es im Keller ein. Gleichzeitig trifft die Hausbesitzerfamilie wieder ein, da das Wetter durch eine Überschwemmung das Campen unmöglich gemacht hat. In letzter Sekunde kann sich der Rest der Familie, außer der Mutter, die ja die Haushälterin spielt, unter dem Sofa verstecken,  auf dem das Ehepaar wiederum nächtigt, da der kleine Junge dann wenigstens im Garten zelten möchte. Auf dem Sofa riecht der Ehemann den Vater und äußert sich über dessen Geruch. Der Vater hört das und kneift gedemütigt die Augen zusammen. Die Haushälterin und ihr Mann liegen derweil blutend im Keller.

Es gelingt der Familie Kim sich nach draußen zu schleichen. 


Am nächsten Tag soll ein spontanes Geburtstagsfest zu Ehren des kleinen Jungen im Garten gefeiert werden. Dazu werden viele Gäste eingeladen. Die Kims möchten – dabei jeder mit unterschiedlichen Motiven – unten in der geheimen Bunkerwohnung nach dem Rechten schauen. Mutter und Tochter meinen, sie wären zu hart gewesen, der Sohn geht mit einem Stein bewaffnet nach unten. Warum, Totschlag oder Friedensgeschenk und Erklärung -  das bleibt im Argen. Er wird jedoch vom alten Ehemann der alten Haushälterin überwältigt. Dieser bewaffnet sich mit einem Messer, dreht durch und sticht vor den Gästen auf die Hausbesitzerin ein, wird dann selbst mit dem Grillspieß erstochen. Der Chauffeur-Vater drückt der Hausbesitzerin ihre Wunde zu. Deren Ehemann verlangt natürlich nach einer Fahrt zum Krankenhaus oder den Autoschlüsseln. Doch anstatt zu helfen, dreht der Chauffeur Vater Kim durch und sticht den Ehemann nieder, weil er aufgrund seines strengen Geruchs die Nase zuhielt. Unmittelbar nach seiner Tat wird ihm seine Dummheit bewusst. Er flüchtet und zieht als neuer Bewohner in die geheime Bunkerwohnung ein. 

 

Der Nachspann des Films besteht darin, dass der Sohn der Familie aus einem Koma erwacht, die verhängte Strafe gnädig und auf Bewährung ausfällt. Er findet heraus, dass sich der Vater in der Kellerbunkerwohnung befindet, da er mittels Morsezeichen einen Brief an ihn kommuniziert, immer abends, wenn die neuen Hausbesitzer schlafen gehen. Der Film endet mit einer Phantasie des Sohns, dass er das Haus irgendwann kaufen würde und alles gut sei. 

Dem steht die dreckige Realität gegenüber, denn in Wirklichkeit ist der Sohn und die Familie arm wie eh und jeh.

 

 

persönliches Fazit: 


Natürlich, eine gute klassische Handlung mit tragischem Ende, aufbauend auf der Moral „crime does not pay“, mit klassischen Tragödiebestandteilen: Exposition, retardierendem Moment und einer möglichen Auflösung des Knotens ohne blutiges Ende, dann aber doch die Katastrophe, mehrere hamartias („Fallstricke“: das Aussprechen des Meerrettichgeruch des Vaters, der Glaube mit der Masche durchzukommen der Familie ) und zweierlei grundlegender "Novellen"-Abartigkeiten (eine so skrupellose Schmarotzer-Familie und das Einnisten eines weiteren Schmarotzers im geheimen Kellerbunker). Dazu klassische Protagonisten und Antagonisten. Auf der einen Seite die Armen, Gerissenen - auf der anderen Seite die Wohlhabenden und Naiven.

Alles wunderbar und gut ausgearbeitet.

Auch die Kameraführung ist brilliant. 

Dennoch ist der Film für mich reines Unterhaltungskino ohne irgendeinen kritischen Ansatz - alle Gesellschaftsthemen, vor allem soziale Armut, wird  zwar als Realität auf die Bühne gebracht, dient aber nur dem Zweck der Unterhaltung. So heißt es z.B. auch in einer Rezension der New York Times: 

"Bong has some ideas in “Parasite,” but the movie’s greatness isn’t a matter of his apparent ethics or ethos"

Zusammen mit der stumpfen Gewalt ist es für mich aber ein abstoßender Film, den ich gerne auch wieder vergesse. Eine "Farce" heißt es oft. Ähnlich wie Pulp Fiction. Ereignisse, die ihre schlimmstmögliche Wendung nehmen und in einem Blutbad enden...Kann man machen, kann man sehen, muss man aber meiner Meinung nach nicht. 

Montag, 8. März 2021

Playtime - Jacques Tati: Der alte Klassiker - zu viel für uns Junge?

 


Sehgewohnheiten ändern sich, Hörgewohnheiten auch. Die Oper ist eine Kunstform, die das eindrücklich erleben lässt, Chaque Tatis "Playtime" war am Sonntag Abend ein anderer solcher Moment.

Die Story ist schnell erzählt: Mr. Hulot verliert sich in einem Glass-Hochhaus in einem Vorort von Paris. Was er dort will - man erfährt es gar nicht genau, denn er erreicht sein Ziel so wenig, wie Kafkas Landvermesser "K."  sein "Schloss". Er überreicht eine gestressten Angestellten sein Papier und stolpert dann von einem Szenario und einer Situation in die nächste. Dabei versucht der Regisseur dem Zuschauer die unfreiwillige Komik der modernen, amerikainspirierten Konsumwelt des - wie es hieß - "Spacetech-Zeitalters"  in lauter kleine Microszenen vor Augen zu führen. Sei es der Besen mit Lichtern, Schaumstoffkissen mit Gummiüberzug, Computersprechanlagen, Büro- und Verwaltungskomplexe...

Der Tag vergeht so, bis es Abend wird und die zweite Szenerie viel Raum für Tatis Moquerie zur Verfügung stellt und einnimmt: die berühmte "Restaurantszene". Die Farbe ist noch nicht getrocknet, die Elektronik funktioniert nicht, alles wird im Geiste der neuen Hektik schnell schnell noch fertig gemacht, so dass am Ende ein rechter Pfusch entsteht, aber: Das Restaurant MUSS offen sein. Denn es ist "Opening Night".

Und so ist es, die herausgeputzten Gäste kommen, während hier und da noch Handwerker rumwuseln, Werkzeuge rumliegen, der Architekt vermisst und alle merken, dass die moderne, perfekte Fassade noch Baumacken hat oder an sich unpraktisch und unmenschlich gedacht ist. All das passiert unter der Aufsicht der hilflosen, strengen und stressbereitenden Chefkellner. Die Szene eskaliert zunehmend . mehr Leute, mehr Gewusel, mehr Pfusch, mehr Aufsicht. Richtig wild wird es, als die Band beginnt amerikanisch verrückten Jazz zu spielen. In diese Szenerie gerät Hulot, weil der Portier sich mal ein kurzes Päuschen auf dem Trotoir gönnte und Hulot als alten Kriegskameraden wiedererkennt und lautstart einlädt. "On va rigoler!" Wirklich witzig wir das dann, als im Zuge dessen die Glastüre kaputt geht, und der nur durch den Türknauf weiter seine Türe simuliert! 

Als dritter Teil - Hulot und die andere Sympathieträgerin, eine (amerikanische?) Touristin nehmen Abschied von diesem Vorort und Tati stellt alles ein bisschen wie einen Jahrmarkt da. Im Zentrum steht dabei der Kreisverkehr und alles ist wie ein Karussell. 

Typisch für Tati ist all das: kleine Mikrokomik im großen Makrokosmos, Spott über Stress, Hektik, das "Moderne" und die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Kameradschaft und Einfachheit. Auch Teil seiner Handschrift ist die Kritik an der Damenwelt und ihren Modevorlieben, ihrem Neid und ihrer Neugier. 

Dabei ist Tati, nun in der Nachschau - ich spitze wieder rein in den Film - genial, die Ideen sind voller Liebe oder bissigem Humor, voller  Rhytmus, an Dummheit und Hass grenzende Albernheit und Perfektion, vieles ist einzigartig. z.B. die Nonnen und ihre Kopfbedeckungen oder die Ansagerin am Anfang des Films, die ihre Ansagen ins Mikrofon haucht. 

Manchmal ist es aber auch nur "nett" und einen zweistündigen Film ohne Handlung und richtige Dialoge, quasi eine Art Stummfilm, anzuschauen, mit einer Handschrift, die sich wiederholt, das strengt an und überfordert uns TikToker und Instagramer. 

Was mir als sehr akustischem Menschen auch nicht so gefällt, weil es mich anstrengt: Das poliglotte Stimmgewirr (zumindest in der Deutschen Version, in der Deutsch, Französisch und Englisch vermischt werden..."What? Yes, a table, für 3, par trois, three" - kein Mensch spricht so.... und manchmal die bewusst inszenierten Geräuschkulissen mit Stimmgewirr, Verkehrslärm, Maschinerie - eben das Chaos der Großsstadt, dem man eh zu entfliehen versucht. Das braucht man einem Middreißiger 2021 nicht neu zu erzählen ;) 


Fazit: 

Dennoch bleibt Neugierde für andere Filme des Franzosen. Denn es ist genial und einzigartig. Die Dosis macht das Gift und so lohnt es sich hier vielleicht, gerade "Playtime" in 3 Portionen zu unterteilen und nicht am Stück anzuschauen. (Opening und Hochhaus 1, Restaurant, Karrussel).
Man kann und muss sie auch eher studieren und analysieren. Einfach nur anschauen - dafür ist Playtime zu opulent, man wird erschlagen. Der Genuss liegt dann vielleicht im Anspruch und es ist nunmal ein bisschen, wie ins Museum gehen: Langsamkeit, Studium, Offenheit für Altes gehören dazu, um ein Staunen zu erzeugen. 

How bizare, how bizare: The Square

The Square hält der Welt der modernen Kunst in einer Art Mischung aus Wes Anderson gepaart mit Chaques Tati  (Absurdität) und einer Brise Jim Jarmusch (elegante Handlungsarmut und Kunstsinn) den Spiegel vor und entwickelt im Abgang ein hervorragendes Schmunzelvergnügen mit unerwarteter Feinfühligkeit und Bildern, an die man sich erinnert. 



Story (angespoilert und interpretiert) 

Die Geschichte ist schnell erzählt (Spoiler): Der Museumskurator Christian stümpert vollkommen unfähig und narrenhaft durch sein nicht vorhandenes Privatleben, dass voll und ganz durch sein Kunstleben bestimmt ist. Im Rahmen einer Ausstellung zu einem Kunstwerk mit dem Namen "The Square" kommt eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die alle direkt darum oder in deren Dunstkreis passieren. So ist ein Handlungsstrang die Vermarktung des Museums und der Ausstellung durch ein gerissenes, junges PR-Duo, das ein an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietendes Skandal-Werbevideo produziert, das veröffentlicht wird, ohne das Christian es als leitender Kurator einmal gesehen hat.


Denn der stümpert rum mit einer britischen Journalistin, die einen Affen im Apartment wohnen hat (warum?!), mit seinen beiden Töchtern (über die Mutter erfährt man nichts) und mit einem bizarren Diebstahl, bei dem ihm Handy und Geldbeutel abgenommen werden und denen er mithilfe seiner anderen Stümperfreunde hinterherstümpert. Am Ende geht natürlich alles in die Hose, aber im Wort Krise steckt bekannterweise - zumindest im Chinesischen - auch die Chance und so stoßen die Ereignisse und Verstrickungen in Christian eine Entwicklung an. Vom Saulus zum Paulus, einer, der auszog, das Lieben zu lernen...

 

Besonderheiten 

Der Film lässt viele Dinge im Vagen und Offenen (Wo ist die Mutter? Warum der Schimpanse? Was ist mit dem kleinen Junge am Ende passiert?) und bei aller Plumpheit, die ein erstes Seherlebnis mit sich bringt - gerade die "berühmte" Szene mit dem Performance Act des Gorilla-Künstlers, der out of control gerät, - so hat der Film doch auch einen fein gestrickten, doppelten Boden, eine zarte Symmetrie, die einem nicht entgehen sollte:
Christian sucht am Ende das, was "The Square" auch geben möchte: Das Himmelreich auf Erden - wo nach Sartre "die Hölle" auf Erden ja "die anderen sind". Der Inhalt und die Anklage des PR-Videos, dass erst ein armes Kind zu Schaden kommen muss, um die Menschlichkeit der versnobten Kunstwelt zu wecken, entspricht Christians Erlebnis mit dem "Ich mache Chaos mit Dir"- Jungen aus den Hochhausghetto. Erst der Unfall im Treppenhaus weckt Christians eigene Menschlichkeit auf, was eindrücklich in dem mehr einem wütenden Gorilla ähnelnden im Müll nach der Telefonnummer im Regen wühlenden Christian auf die Leinwand gebracht wird. 

Faszinierend und bleibend auch die Figur Christians.

Allein seine verschrobene Diktion. Christian steht als Sinnbild für die Kunst in der Realität: Ein Fremdkörper, der sich über die Dinge wundert, aber auch außerhalb von diesen steht und sich auf arrogante Art und Weise von der profanen Wirklichkeit abgrenzt. 


 



Samstag, 9. Januar 2021

Frech, Frisch, Einzigartig: Das Spiderman Universum!

Manchmal traut man sich aus seiner Komfortzone und das wird belohnt! 

Auch wenn "Spider-Man: A New Universe" nur Unterhaltungskino ist, so hebt der Film mit seiner Machart doch mahnend den Zeigefinger Richtung "Oldschool-Kino", dreht diesem auch eine spitzbübische Nase und spielt ihn an die Wand. Was ein visueller Knüller!

Ganz ehrlich - ich habe nicht damit gerechnet, eine dermaßen gute Comicverfilmung im jungen Gewand zu sehen! So viel Charme, Gag, Spritzigkeit, Drive...Und das alles aus der Perspektive eines 15 Jährigen. Stark! Anschauen! Verblüfft sein! Keinen Trailer, gar nichts, einfach reinstürzen!


Spoiler ALARM!

Allstar-Genresynkretismus /Eklektizismus: 

Die Geschichte ist eingentlich einfach: Sympathischer, mittlerer Antiheld mit Coming out of Age - und Akzeptanzproblemen väterlicherseits (wie sie Arielle die Meerjungfrau auch hat) wird zufällig mit Superkräften ausgestattet und bekommt eine Aufgabe, der er noch nicht gewachsen ist, in den Schoss gelegt. Er braucht einen Mentor und Verbündete, um die Aufgabe zu erledigen. Er muss scheitern, wachsen, über sich hinauswachsen, er selbst werden und es allen zeigen - auch seinem Vater. 

Diese klassische Handlung ist in ein dermaßen kunterbuntes Bonbonpapier verpackt, dass visuell einfach nur beeindruckt und fasziniert. In den hauptsächlich vorherrscheden fresh-sympathischen Kaffeebecher-New York Animations-Stil, der immer wieder durch trippy Elemente durchbrochen wird,  gesellen sich später andere Genres: Film noir à la Sincity, klassischer Cartoon à la Bugs Bunny, verlotterter Antiheld à la Hancock und ein Mädchen mit Roboter à la Bioshock, aber im japanischen Mangastil. Außerdem sind natürlich Comic-Elemente vertreten. Ohne Probleme könnte man bei jedem Frame (!) "STOP" drücken und hätte ein perfektes Panel aus einem Comic. 

Zusammengefasst: Wahnsinn! 

Ein Blick hinter die Kulissen: How Animators Created the Spider-Verse | WIRED

Meisterwerk der Miniaturen: Independence Day

Roland Emmerichs Blockbuster war einer der Filme meiner Jugend: Der coole Will Smith, der auch mal ausrasten darf, wenn er einem Alien durch den Canyon entkommt und austrickst, mit dem coolen Spruch "Willkommen auf der Erde" ausknockt und sich dann die wohlverdiente Siegerzigarre anzündet (ultracool)! Was für ein Held!


Knapp 20 Jahre später habe ich mir den Film wieder angeschaut und muss sagen: Die Special Effekts und die Dramaturgie sind vom Feinsten! 1996, als CGI noch in den Kinderschuhen steckte (Jurassic Park und Terminator II waren einige der ersten Filme, die hier Pionierarbeit leisteten). Das heißt: In Independence Day steckt Handarbeit, Liebe zum Detail und viel Aufwand! 






Mehr dazu findet ihr hier: Interview mit einem Beteiligten der Miniatur-Visual-Effects-Crew und hier ein Video zum Making of

Dazu kommt Schauspiel, Musik und eine in sich auch geschlossene, gut rhythmisierte, idealistische Handlung mit einer Message, die in den 90gern noch präsenter war und nicht vergessen werden dürfte (unite!). Kurzum: Ein richtig guter Film!


  

Sonntag, 15. November 2020

Heiß wie Neostahl: Blizzard spendiert seinem Meisterwerk grandiose Kurzgeschichten!

 


Starcraft II feiert 2020 sein 10-jähriges Jubliäum. Sein Vorgänger, Starcraft, ist ein Meilenstein in der Geschichte der Echtzeitstrategiespiele, aber auch des Storytellings innerhalb eines Computerspiels und vor allem der spannenden, nie langweilig werdenden Multiplayerschlachten. Zum 10. Geburtstag spendiert Blizzard  ein paar Shortstories. Und die haben es in sich! 


Wer billige Ramschliteratur erwartet, wird enttäuscht. Die Stories von unterschiedlichen Autoren - 18 -50 PDF- Seiten lang - , werfen ganz unterschiedliche Lichter auf die menschliche Seele und das Starcraft-Universum. Und obwohl sie alle so unterschiedlich sind, haben sie doch alle eines gemeinsam und  zwar das, was große Literatur ausmacht: Liebe und Tod. Sie handeln von Menschen, die sich irren, von ihren Träumen, Wünschen, Ängsten, ihrem Drang nach Freiheit, ihrer Neugierde. Ich möchte mich nicht in Superlativen verlieren, aber Blizzard ist es gelungen, einen Rundumschlag abzuliefern und in bisher jeder der Stories, die ich gelesen habe, greifbare Figuren zu gestalten, die eine Identifikationsfläche groß wie ein Fussballfeld bieten und jeden Leser, selbst wenn er sich wehrt, in ein Universum - ja, es klingt so blöd, aber es ist so - in das Universum der Starcraftwelt zu ziehen. Und natürlich haben die Autoren ihre Hausaufgaben gemacht! Keine Geschichte gleicht der anderen, jede fesselt, jede wirkt, wie wenn ein Autor tief mit der Schöpfkelle in den Kessel der "Wie-schreibe-ich-eine-gute-Geschichte"- Suppe getaucht hat und zeigt, wie lecker man mit bekannten Mitteln, Tricks, Topoi, Archetypen und Motiven eine neue Geschichte kredenzen kann. (Achtung, jetzt kommt Germanisten-Tech-Talk)

Gemeint sind Techniken wie eine  Rahmen- und Binnenhandlung zu erschaffen (z.B. "Das Antlitz des Krieges"), verschiedene Zeitebenen miteinander zu durchmischen (z.B. "Tödliche Säure"), innere und äußere Handlung gleichermaßen zu berücksichtigen, Dialoge, Innere Monologe, unerwartete Gedankeneinbrüche, Bordcomputergebrabel und alles andere, was Kommunizieren kann, einzuarbeiten, die große Geschichte einer skrupellosen Diktatur mit kleinen Einzelschicksalen zu verweben (z.B. "Die Dompteurin" oder "In der Dunkelheit" oder "Der Auftrag"), Elemente der klassischen Tragödie mit der Form der Kurzgeschichte zu kreuzen (Offener Anfang, in medias res, Enthüllungsdramaturgie, hamartia und vermeintliche peripetie, Höhepunkte, Wendungen, Katastrophen und offene Happy Ends), personale und auktoriale Erzählebenen zu verknüpfen und und und.... (Ende des Germanisten Tech-Talks)

Dabei wirkt das eben nicht "billig" wie in einem Groschenroman - zumindest habe ich lange Zeit keinen mehr gelesen. Ich vermute, jeder Leser wird die Geschichten - egal wie er tickt mindestens mit der Phrase "Die haben ihre Hausaufgaben eben gut gemacht" bewerten. Das Spektrum kann aber auch gut und gerne bishin zu verzückten Ausschweifungen und Anbetungen dieser kleinen, kunst-mühe- und liebevoll gewobenen Kleinode führen. 

Wie auch immer - ich lese diese Geschichten sehr gebannt! Sie sind fesselnd erzählt und Dranbleiben lohnt sich. Selbst wenn die ersten 10 Seiten manchmal seltsam anmuten - mir ging es so bei "Der Auftrag" - am Ende hat mich keine der Kurzgeschichten unbefriedigt zurückgelassen! 

Neugierig? Hier gehts zum Download der kostenlosen Shortstories

Außerdem kann ich "Neulingen" die opulente, fantastische, epische Story der Einzelkampagnen auch nur wärmstens empfehlen. "Herr der Ringe" - "Game of Thrones"- die Story der Blizzard Schmiede braucht hier keinen Vergleich zu scheuen. Die erste der insgesamt drei Kampagnen gibts auch kostenlos zu spielen (hier durchklicken).

Wer sich tiefer hineingraben möchte findet hier englischsprachiges Fan-Wiki-Wissen.

Dienstag, 15. September 2020

Comedy made in France: "Der Grosse Böse Fuchs"

 

Oh ja, wer Lust auf französisch dumm-bizarr-trockenen Humor hat ist hier genau richtig!

Benjamin Renner hat "eine Graphic Novel für Eltern und ihre Kinder" verfasst, die "über die Tücken der Kindererziehung erzählt". Das stimmt, und man mag es kaum glauben, wie das stimmt! 

Die Geschichte ist so einfach und dumm wie komplex und überraschend gleichzeitig: 

Ein versagender Fuchs bricht immer wieder im naheliegenden Bauernhof ein, um seinen Hunger zu stillen: Erfolglos! Die Henne brät ihm eins über und er zieht geschlagen und hungrig von dannen, um sich mit Steckrüben zu sättigen. Mit dem Wolf schmiedet er den Plan, statt der Hühner einfach Eier zu stehlen, die Küken großzuziehen und sich an ihnen satt zu fressen. Doch als die Küken schlüpfen, fallen sie ihrer Prägung zum Opfer und denken, der Fuchs sei ihre Mutter. Umgekehrt wachen im Fuchs elterliche Gefühle - eine Mischung aus Verantwortung und Liebe - für die kleinen Quälgeister auf... 

Was total dumm und banal klingt, fesselt, unterhält, rührt und ist am Ende eine überraschend in sich geschlossene Geschichte voller erwartbar-unerwartbarer Wendungen, die in mir das Gefühl geweckt hat, gerade den perfekten Kinofilm gesehen zu haben...