Sonntag, 17. März 2019

„Ein Sommer am See" (2014) Mariko Tamaki und Jillian Tamaki

Die erste Graphik Novell mit dem deutschen Jugendbuch-Literaturpreis!
Ich verstehe den Jugendbuch-Literaturpreis als Empfehlung, seit Lian Hearns „Das Schwert in der Stille", das ich las, ohne zu wissen, dass es für diesen Preis prämiert war, und von dem ich so begeistert war und bin wie von kaum einem anderen Buch, traue ich dem Geschmack der Jury hinsichtlich der Beurteilung stilistisch ansprechender und inhaltlich berührender Werke.


Der Inhalt (ohne das Ende zu verraten)

In „Ein Sommer am See" geht es um eine Familie, die ihren jährlichen Sommerurlaub an einem großen Badesee im fiktiven Urlaubsort Awago Beach verbringt. Seit Rose fünf Jahre alt war, fahren sie, ihr Vater und ihre Mutter jährlich dorthin und treffen auf altbekannte Gesichter:
Rose hat eine beste Ferienfreundin mit dem Namen Windy. Sie lebt mit ihrer lesbischen Mutter zusammen, deren Mutter ebenfalls zu Besuch kommt. Eingekauft wird im Dorfladen, der auch einen DVD-Verleih betreibt und Anlauf- und Treffpunkt für die Dorfjugend ist.
Die Graphik Novell beginnt also mit der Anreise der Familie in dieses Urlaubsparadies. Sie beziehen ein Ferienhaus und alles scheint bereit für eine Zeit voller Erholung, Familienharmonie, Sonne, Baden und eleganter Langeweile. Oder?

Schnell entpuppt sich, dass die Idylle ihre Risse hat. So entfalten sich verschiedene Konfliktfelder im Feriendorf und vielmehr werden verschiedene Konflikte durch den Ort Awago Beach, der sie alle für die Dauer eines Sommerurlaubs zusammenbringt, durch die Augen der Hauptfigur Rose offensichtlich.
Irgendetwas ist mit Roses Mutter, was auch die Beziehung zu ihrem immer gut gelaunten Vater belastet. Rose verliebt sich in den Jungen, der im Dorfladen arbeitet. Der wiederum hat Gerüchten zufolge eine Jenny aus dem Dorf geschwängert, was aber nur ein Gerücht ist, und beide haben Probleme, damit umzugehen.
Ihre etwas jüngere Ferien-Freundin Wendy wächst alleine mit ihrer Mutter und der Oma auf. Hier scheint die Welt noch heil zu sein. Ihre Mutter ist lesbisch.

Die Wirkung / das Besondere an „Ein Sommer im See": 

Dem Duo gelingt es unglaublich gut, Stimmungen einzufangen! Das Buch ist meistens in 4-6 Pannels pro Seite aufgeteilt, in denen munter und scheinbar zusammenhanglos geplaudert wird. Aber immer wieder, gerade dann, wenn man nicht damit rechnet, wird man überwältigt von einer Doppelseite, in der die gesamte Handlung stoppt und ein Moment eingefroren wird, was enorme Wirkung entfaltet!
Sei es Rose, die in ihrem Bett abgammelt oder Wendy am Tanzen um Rose, sei es
Unterwasserspaß...diese drei Doppelseiten haben mich gecatched und ich werde an sie denken, wenn ich an „Ein Sommer im See" denke und ich werde sie nicht vergessen.
Auf der anderen Seite ist das Buch - zumindest für meine Verhältnisse - sehr offen. Jugendsprache, lesbische Beziehungen, ungewollte Schwangerschaft - alles Themen, die noch vor nicht allzulanger Zeit tabu waren. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, was natürlich auch nicht auffallen muss: Die Macher der Graphik Novell scheinen auch lesbisch zu sein. Ein zweiter Blick offenbart: Nein, es sind Cousinen :P

offener Aufbau:

Dennoch muss man damit zurechtkommen, dass das Buch nur Einblicke in Konflikte anbietet, aber keine Lösungen, zumindest keine vollständigen. Das Buch endet wie es beginnt, aber die Konflikte schwelen weiter. Es müsste nachbesprochen oder besprochen werden: Wie geht man mit einer unklaren Verhütungssituation um? Wie geht man mit Problemen in der Familie um? Hier ist viel Diskussions- und Redestoff!

Hier ein Artikel im Tagesspiegel
und hier ein anderer Artikel, der sich mit dem Gefühl "Preteen" zu sein auseinandersetzt

Dienstag, 5. Februar 2019

Massive Attack 2019 - Frankfurt "Jahrhunderthalle" - eine Lehrstunde!

Warum haben alle Hallen in Deutschland eigentlich die gleiche Parkplatzpflasterung? 
Das geht mir durch den Kopf, als ich mit ein paar Freunden Richtung Jahrhunderthalle laufe. Der zweite Gedanke, der daran geknüpft ist, geht dann über den Eingangsbereich mit der Leuchtaufschrift "Jahrhunderthalle" - irgendwie erinnert sie mich zusammen mit dem Parkplatz an die etwas kleinere "Mainfrankenhalle" in Veitshöchheim, in der ich mal einen Bilder-Vortrag über New York gesehen hatte. Das war, bevor ich die große Kuppel in der Dunkelheit ausmachen konnte, die das Bild der Jahrhunderthalle, die in den 60gern erbaut wurde, auch ausmacht.

Eine lange Schlange wird professionell durch den Eingangsbereich geschleust: die ausgedruckten Tickets werden mit Hand-Barcode-Scannern ausgelesen, bevor man in die Securityschleuse kommt, wo man nach einer kurzen Blickmusterung abgetastet wurde und ein Blick in Handtaschen, Jutebeutel, Umhängetaschen und, was das buntgemischte Publikum des Konzerts sonst noch mitbrachte, geworfen wurde. Hier ist der Moment, an dem ich mal erwähnen muss, wie sehr sich die LED-Lampen durchgesetzt haben. Früher war das Thema "funktionierende Taschenlampe" eigentlich immer ein irgendwie peinliches Thema: Entweder man hatte eine Billigfunzel mit Batterien, die immer genau dann ging, wenn man sie einmal komplett durchgewartet hatte, und dann sofort nicht mehr ging, vor allem, wenn man sie gebraucht hatte, weil die Glühbirne kaputt war oder das Drehgehäuse ausgeleiert oder die Kontaktfeder im Batteriegehäuse nicht mehr ging, oder weil sie feucht geworden war, oder weil die Batterien sofort leer waren, oder alles gleichzeitig.
Oder man hatte eine sündhaft teure "MagLite" - eine zeitlang Statussymbol in meinen Kreisen: denn Sicherheitsdienste, die Polizei und das Militär, so munkelte man, würden genau diese benutzen, weil sie so groß und massiv wie ein Schlagstock waren, gefühlt aus Gusseisen, mit drei Riesenbabybatterien gefüllt und es hieß, man könnte bis zu 30m damit leuchten. Die Batterien hätte man eigentlich lieber für einen ultracoolen Ghettoblaster gewollt und gebraucht. Aber - ich zitiere ein unendlich gültiges Zitat: "Wir hatten ja nix." Und die MagLites, sehe ich gerade, kosten immer noch ca. 100€. 
Ja, zurück zum Thema: Handtaschen, Jutebeutel und Sonstiges wurden mit der leichten, beinahe möchte ich sagen "schnittigen" Handtaschenlampe (natürlich mit LED - Birne ) durchleuchtet. 

Im Vorraum der Halle mit der Kuppel, die ein wenig an ein platt gedrücktes Observatorium erinnert, ist viel los. Ein Gewusel. Die Besucher des Konzerts sind vom Kleiderstil her bunt durchmischt, aber interessanterweise sieht man kaum "junge" Gesichter. Es ist ein wenig, wie wenn man auf einer Ü30 Party wäre, nur dass es nicht schrill zugeht. Irgendwie liegt allem ein "Grundernst" zugrunde. Liegt das an Massive Attack? Eine Band, die uns daran erinnert, wie unsere Gesellschaft ist? Ernsthaft, gestresst, absurd, - na mehr davon nachher.

Jacken und Mäntel werden an der Garderobe gegen Abholmarke aus Blech abgegeben - wir haben ja Winter -, vor den Klos entstehen beachtliche Warteschlangen  und man wird professionell abgehandelt. Ein Großereignis, vom Feeling bisher mehr Theater oder Oper als Konzert. Dazu passen die überteuerten Preise der Getränke - ein 0,4l Bier für 4,20€ enttäuschenderweise aus dem Plastikbecher. "Wie viele Plastikbecher werden heute wohl weggeworfen?", frage ich mich. Inzwischen schätze ich 3000-4000, angelehnt an meine Schätzung der Besucherzahl. Dabei wäre es doch nichts Großes, recycelbare Becher zu benutzen! Mit nem schicken Aufdruck drauf, ein Pfandsystem einbauen...beim Afrikafestival ging das doch auch, wieso soll das bei einem darauf spezialisierten Veranstaltungskomplex nicht auch etablierbar sein? Große Frage für mich. Große Enttäuschung darüber. 

Über die Treppen gelangt man dann - ähnlich wie in der Paulskirche - in den eigentlichen Konzertbereich - das Atrium unter der Kuppel. Noch höher auf die Galerie dürfen die mit Sitzplatzkarten, die nochmal getrennt kontrolliert werden.
Inzwischen macht sich meine typische Skepsis gegenüber Großkonzerten breit: total unterschiedliche Leute aber auch total viele, Angst und Sorge, nichts zu sehen, nicht den besten Platz zu haben, Missgunstdunst, die unnötigen Plastikbecher und ab 20:07h die ersten Pfiffe, weil es noch nicht losgeht.
Das Publikum wird mit dumpf gehaltenen "Best of 90ties" Hits beschallt. To the moon and Back, Don't wanna miss a thing, selbst Madonnas Rain kommt. Die Pfiffe nehmen zu. Als ein Lied (war es Jump Around?) mit einer Fanfare beginnt, interpretieren das viele fälschlicherweise als Anfang der Show, die Pfiffe nehmen zu und ebben ab und münden in eine etwas weiter angewachsene Gereiztheit und Nervosität. 5 Minuten später checkt ein Mitarbeiter mit einer Taschenlampe eine E-Gitarre. Das Spiel wiederholt sich: Pfiffe, Vorfreude, Abebben, Gereiztheit. "Geht es jetzt los?" Nein. 

Ich entspanne mich, versuche all das Wegzudrücken, freundlich zu sein und fröhlich. Versuche mich auf freundliche Gedanken zu besinnen: Was für ein übergroßer Luxus es überhaupt ist, an so einem Konzert teilnehmen zu können! Ich besinne mich darauf, dass ich nicht viel zum Glücklichsein brauche...Versuche freundlichen und fröhlichen, positiven Gedanken nachzugehen. Erinnere mich an die Sonne, die von innen in mir strahlt. Dann gegen 20:30h gehen schlagartig die Lichter aus. 

Massive Attack - ein verstörendes, verzerrtes Intro - undefinierbar zwischen Synthie und Egitarre - Flickerlicht mit Weiß- und Blaustich, gefühlt 3, 4 Minuten lang auf der Großleinwand hinter der Band. Es geht los! Ich sehe schlecht. Große Leute stehen vor mir und viele bis zur Band: Wir stehen recht weit hinten, mittig, vor dem Mischer. "Die Bühne könnte einen halben Meter höher sein!", denke ich mir und bin noch mit solchen Gedanken beschäftigt.
Dann beginnen die ersten atemberaubenden Videoaufnahmen. Eine Eule fliegt in Zeitlupe durch die Luft, wir schauen ihr zu. "Es ist die Freiheit, die ihr wolltet" wird auf Deutsch (mit Wortendungsfehler ("Nicht im Ernst! Das sind Perfektionisten. Massive Attack hat keinen Korrekturleser?!") eingeblendet...ein Auge in Nahaufnahme, das vermutlich in einen Bildschirm schaut, jedenfalls irgendwo zuschaut. Eine Art Pop-Ballade spielt die Band als Opener. "Wirklich?" Ich bin gespannt. Der Song ist garniert mit weiteren Videoaufnahmen einer Royals-Hochzeit: Das Paar in der Pferdekutsche, dass durch eine Gasse aus Hochzeitsgästen aus einem alten Innenhof herausfährt. Dabei fängt die Kamera das Verhalten einer Brautjungfer ein, nicht das Hauptgeschehen. Ein Muster, das sich wiederholt. Voyeuristische Gelüste werden bedient. Kommt jetzt nur so ein "Best-of-Youtube-Special?"

Es dauert ein paar Lieder, bis ich ankomme: Im Konzert und auch an einem Platz an dem sich der weggedrückte Wunsch "Ich würde schon gern etwas mehr sehen!" auflöst. Zwei Schlagzeuger, einer dunkelhäutig im schwarzen Kapuzenhoodie, einer hellhäutig, beide auf Drumraisern, ein alter, dunkelhäutiger Jazzbassist, wie es aussieht, die Frontmänner Tricky und 3-D, der auch auf die Ferne immer noch etwas von Edward Norton hat, ein Rythmusgitarrist und ein Leadgitarrist. Das sehe ich nach und nach. Und ich komme im Konzert an.

Massive Attack ist nicht irgendeine Band, wie sie im Immerhin spielt. Nicht so rockig. Aber auch kein Postrock. Die Musik ist auch nicht soooo komplex und anspruchsvoll, dass das Vergnügen im Zuschauen und Dechiffrieren der Patterns oder im Staunen über die Instrumentalisten-Skills besteht. Zwei Dinge werden mir während des Konzerts klar: Wie schlagzeugfixiert vor allem die "Tophits" von Massive Attack sind, und da im Detail: wie sehr die Bassdrumm mir wie die Achse der musikalischen Bauten vorkommt und wie sie der Motor der Lieder zu sein scheint. 
Genial die Idee bei Teardrop den Herzschlag des Menschen einzubauen. So simpel, wie genial. Massive Attack sind als erstes darauf gekommen und haben das perfekt umgesetzt und damit einen  Platz im Raum der genialen Ideen eingenommen. Oder Inertia Creep: Ernsthaft geht jeder Bassdrumbeat vom ersten bis zum letzten Schlag. Der dunkelhäutige Drummer versteht das. Und zieht es durch. Jeder Schlag kräftig, wichtig, präzise, bewusst. Profi.
Der Zweite Punkt: Massive Attack-Shows bestehen zu mehr als der Hälfte aus den Visuals und der Message, die sie machen. Zusammengefasst: Massive Attack halten unserem Kollektivbewusstsein und uns den Spiegel vor, kritisieren es und formen es gleichzeitig mit. 

Die Show ist eine große Kritik an unserer medialen Reizüberflutung mit Videomaterialien. Das ist schon irgendwie typisch 90ger, die Kritik, die Zeit vor Youtube. Als man noch DVDs kaufen musste, um ein Musikvideo zu besitzen und öfters anschauen zu können, als per Zufall in der Daily Rotation - bei anspruchsvoller Musik dann vor allem nachts - ein gutes Video à la Windowlicker kam und man sich fragte: "Was war das?!". Oder als man per Glückstreffer und Videorecorder eine Aufnahme eines Hits ergattern konnte. 
Massive Attack belehren uns über die Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit medialer (Schein)Realitäten. Die 2-D Bilder sind echt und unecht gleichzeitig. Sie sind vergangen, die Geister, so behauptet die Schrift, die man zwischen oder auf den Videoclips aus den 80gern/90gern/70gern projiziert sieht, sind vergangen. Sie sind ein Blick in die Vergangenheit, und sie wispern uns alle zu: "Lebe jetzt, es ist egal, wie du lebst, alles ist vergänglich! Wir sind vergangen!"...tiefbarock, wenn ich das kommentieren darf: vanitas, memento mori. (am Ende der Show wird das carpe diem- Motiv, gekoppelt allerdings an die postmoderne Forderung, präsentiert. Mehr dazu später). 

Während wir das noch gar nicht so richtig verstanden haben, werden wir mit Gegensätzen bombardiert: Technologie, Urbanität, Vergnügen und Verdrängung auf der einen Seite und stumpfe Brutalität in Form von Mord, Schlägerei, Krieg auf der anderen Seite. Ebenso wenig ins Bild passen  die vielen Videosequenzen aus der Natur, oft von Vögeln. Die Eule im Flug, eine Drossel an einem Fenster und - besonders schön anzusehen: Eine Taube, die aus einem fahrenden Auto auf dem Arm des Beifahrers sitzt, der den Arm aus dem offenen Fenster hält...die Taube fliegt los, in der gleichen Geschwindigkeit wie das fahrende Auto und fliegt um es herum - vielleicht eine trainierte Brieftaube...Auch ein Gegensatz zur Urbanität: Immer wieder tanzende Leute, allein oder in Folklore.
Was soll das alles?

Uns werden die Kausalzusammenhänge leicht vereinfacht vorgeführt: Unsere Daten werden überall gespeichert, wir liken und loven trotzdem irgendwelchen Quatsch weiter. Wir haben ein unsterbliches, ominpräsentes, digitales Weltgedächtnis um uns, einen Klick entfernt und voll vernetzt. Diese omnipräsente Datenmasse - und Achtung, das muss man selbst erschließen - wird von Massive Attack als omnipotent dargestellt: "Die Vergangenheit löscht die Zukunft aus." Wir glotzen mit jedem Youtubevideo in ein Stück Vergangenheit. Das rüttelt auf, bedrängt.
Wahlslogans aller Länder werden uns gebündelt vorgeführt und wir merken, dass etwas nicht stimmt. Dass die Werte richtig sind - Gemeinschaft, Zusammenhalt, Zukunftsoptimismus, Aktivismus quasi: "Wir schaffen das, alle, jetzt!" - aber dass diejenigen, die sie uns versprechen, ihre Versprechen nicht einlösen und dass die Versprechen nicht umgesetzt werden. Das verunsichert uns und während ich das sehe und höre, verstehe ich, dass mir Massive Attack meine Unsicherheit und Unzufriedenheit im Digitalen Zeitalter der Postmoderne erklärt!

Außerhalb vom "Vergnügungstempel" ( ein Ausschnitt zu Alice im Wunderland)  tobt immer noch der Krieg. Menschen werden unschuldig getötet, arabische Familienangehörige trauern fassungslos um einen gestorbenen Verwandten, fernab davon flaniert Putin über den leergeräumten Kremlvorplatz, lässt sich Trump von Wählern feiern und sitzen Staatschefs wie Putin und Trump beinander, schütteln sich die Hände und dulden oder provozieren diesen Scheiß. 

Wir verdrängen das, betäuben uns (die Namen von Schlafmitteln werden eingeblendet, vielleicht auch Antidepressiva) und haben durch Youtube die Möglichkeit, alles und jeder zu sein (bei "Dissolved Girl" werden Fans, die den Song interpretieren, also ein Drummer, ein Bassist, eine Sängerin, die für die youtube-Gemeinde mitspielen, eingeblendet).
Wir haben mit den Medien auch neue Ablenkungsmöglichkeiten entwickelt.  Gleichzeitig kommen wir nicht zurecht mit der Omipräsenz dieser "Geister", die ja auch Vorbilder sind. Sie leben, tanzen und singen in 2D weiter, wir schauen sie an und halten sie damit am Leben. Curt Kobain wird gezeigt und ja, digital kann er immer noch Rosen an Damen aus dem Publikum bei Nirvanas letzten Unplugged Konzert verteilen und wir können die junge Britney Spears immer noch weiter leben lassen. Youtube als der kollektive Datenspeicher, wird uns per Schriftzug erklärt, dekonstruiert die Grenzen von Zeit und Raum. 
Und weil wir uns das alles reinziehen, diese logischen Unmöglichkeiten, sind wir orientierungslos und verwirrt, weil unser "Heute" von Geistern aus dem "Gestern" überlagert wird. Darüber versuchen wir uns wieder wegzuamüsieren, aber tief in uns bleibt dieses Gefühl der Unsicherheit, das Gefühl des Betrogenseins, dieses fehlende Vertrauen.

Die Lehrstunde endet mit dem Zusammenführen der einzelnen Stränge zu einer Synthese: Wir sind (solange wir Geister aus der Vergangenheit konsumieren und Leute wie Trump und Putin wählen) in einer Endlosschleife gefangen. Es ist Zeit, die alten Geister zurückzulassen und jetzt unsere Zukunft zu gestalten. Mit dieser Botschaft endet das Konzert. Ohne Zugabe. Carpe Diem heißt heute: Pack an, mach was draus, um aus der Endlosschleife rauszukommen. 
Bravo. 

Massive Attack zeigen sich ernsthaft und kompromisslos. Sie zeigen uns auch, wie ausgebrannt wir sind. Müde vereinzelte Pfiffe beim Anblick Donald Trumps. Gott sei Dank.
Jedenfalls geht es in Ethik demnächst um Trump und seine Worthülsen und weiter um epochaltypische Probleme und Lösungsansätze: Gegen Isolationismus und Abgrenzung. Gegen Überheblichkeit. Für Höflichkeit und Humanismus. 


Zuletzt: 

Der Hit "Angel" - das vielleicht noch interessant - wird nur mit einer Buchstabenreihe, die evtl GATTACA bedeutet, untermalt.  ( Der Titel „Gattaca“ ist aus den Abkürzungen der vier Nukleinbasen der DNA zusammengesetzt: A für Adenin, C für Cytosin, G für Guanin und T für Thymin. Die Abfolge dieser Basen als GATTACA kann erstaunlich oft in der menschlichen DNA gefunden werden.zitiert aus Wikipedia)
Die Einzelbuchstaben wechseln immer - aber das Grundpattern scheint gleich zu sein. Der Mensch ist sich selbst...ja was denn? Ah, der bedrohliche Engel, den der Song beschwört, der Wolf ist, aber Engel sein könnte.

Teardrop darf nicht fehlen, fällt aber aus dem Rahmen der Medienerziehung. Der Song wird von der Show so schön präsentiert, wie er ist: Die Beleuchtung untermalt nur das Gefühl von Schönheit, Schutz und Geborgenheit, Rettung. Keine Videos nur drei künstliche Sonnenaufgänge, wir dürfen uns im Licht baden und einer Mutter Maria beim Singen zuhören und zuschauen.






Dienstag, 15. Januar 2019

Messiah- All we like sheep have gone astray...

Der "Messiah" von Georg Friedrich Händel am 22.12. und 23.12.2018 ab 17:00h in der Deutschhauskirche Würzburg


Zunächst ein kleines Quizz:

1. In welcher Sprache ist der Messiah geschrieben?
a) Deutsch b) Latein c) Französisch d) Englisch? 

2. Wie lange dauert der Messiah ungefähr?
a) 1 Stunde b) 1,5 Stunden c) 2 Stunden d) 2,5 Stunden e) 3 Stunden? 

3. Welche Farbe trage ich gerade hauptsächlich am Körper?
a) rot b) blau c) grün d) schwarz


Die Antworten: Wenn Du weißt, was bei 3 richtig ist, beobachtet mich mein MacBook doch und du bist krank. Dass Händel in England lebte und der Messiah in Englisch verfasst ist, ich vermute, dass weiß der Standarddeutsche nicht. Ebensowenig, dass er zweieinhalb bis drei Stunden dauert und eine Mischung aus Orchester, Chor und Sologesang ist.
Die Kantorei der Deutschhauskirche hat sich diesem Werk angenommen. Und das auf meisterhafte Weise! Der Messiah, das ist ein Werk, dass man aufgrund seiner Länge auf jeden Fall erstmal durchstehen muss. Das gilt sowohl für das Orchester, wie auch für die Solisten, den Chor und den Dirigenten. Für letztere ist dieses "durch-stehen" wörtlich zu nehmen. Doch die Anstrengung wird belohnt! Es war ein wunderbarer Abend, tonal, rhythmisch, artikulatorisch und lautstärketechnisch. Alle Beteiligten dürfen mächtig stolz auf sich sein! Insbesondere der Chor mit seinem Altersdurchschnitt um die 50 Jahre! Insgesamt haben 54 Musiker mitgewirkt, 17 Orchestermitglieder, 33 Chormitglieder und 4 Solisten. Das Stück besteht aus 3 Teilen und 48 Einzelstücken.
Textlich geht es um den Zwist der Völker, Jesus Ankunft, Wirken und Sterben auf Erden und das Versprechen der Auferstehung und die Wegnahme der Erbsünde.

Besonders beeindruckend war für mich Sven Fürst. Nicht nur, dass er perfekt gesungen hat - auch die Art und Weise, wie er singt, hat etwas Dramatisches: Mit Blicken - je nachdem, wie text- und notensicher - bezog er auf fesselnde Weise den Chor und das Publikum ein. Dabei sollte man eher sagen, er schleuderte die Blicke in das Publikum, zum Orchester und zum Chor oder in die Leere. Mal verwegen, mal kühn, mal anklagend, immer irgendwie entschlossen.  Mit seinem roten Bart und den langen Haaren musste ich auch an Thorin Eichenschild oder einen anderen König denken, der eine Armee auf ein bevorstehendes Gefecht einschwört. Der Mann hat Stimme, Kraft und Ausdruck!

Aber warum der Abend unvergesslich wird, ist, weil alle gemeinsam als ein ganzes Ensemble  so schön zusammengewirkt haben. Und weil ich den Chor und Dirigenten kenne und jeder über sich selbst herausgewachsen ist! Danke für diesen wundervollen Abend!





Dienstag, 13. November 2018

Midnight in Paris - phantastisch im Nachgang!


Gil und Inez vor dem Motiv der berühmten
Seerosen von Monet
Woody Allen führte Regie und schrieb das Drehbuch dieser romantischen Filmnovelle, poetisch aber auch sehr stereotyp.

Inhalt:

Ein junges Päarchen in der Hochzeitsvorbereitung ist zusammen mit den Eltern der Braut in Paris, der Stadt der Liebe in Frankreich im Urlaub. Der männliche Protagonist, Gil, ist Schriftsteller, sie, Inez, ist Zicke. Er, Gil, arbeitet an einem Buch über einen Nostalgieladen, sie, Inez, geht shoppen mit der Mutter.
Zufällig trifft das Päarchen auf ein der Braut bekanntes Päarchen, das sehr unternehmungslustig ist. Zudem ist der Mann, Paul, in dieser Konstellation sehr belesen, wie es scheint, und hat eine Gastvorlesung in der Sorbonne - der perfekte Reiseführer also! Sehr schnell kristallisiert sich heraus, das Gil Paul nicht sympathisch findet. Als die junge Gruppe nach einer Weinprobe noch gemeinsam feiern gehen möchte, sondert Gil sich ab. Auf dem Rückweg verläuft er sich ein wenig und bleibt auf einem Treppenabsatz  zum Ausruhen sitzen.
Gil, Inez, Paul und seine Frau
Auf einmal, während des Glockenschlagens zur Mitternacht, schleppt sich ein Oldtimer aus den 20gern die Straße hoch und die Insassen motivieren Gil, einzusteigen. Dabei handelt es sich um niemand geringeren als F. Scott Fitzgerald und seine Frau - Starschriftsteller der 20ger.
Ab diesem Moment hat Gil eine Art Schleuse in die 20ger gefunden, sein eigenes "goldenes Zeitalter", und Abend für Abend trifft er seine Idole und Inspirationsfiguren.
+Spoileralarm
Es kommt, was kommen muss: Gil und Inez entfremden sich immer weiter, Gil verliebt sich in Adrianne, die Geliebte Picassos und Hemingways, mit der er selbst eine Zeitreise in die "belle Epoque", das Paris der 1890-1900 erlebt und unter anderem die Impressionisten und Expressionisten Gauguin, Lautrec und Degas und  trifft. Im Gegensatz zu Gil beschließt sie, in dieser Zeit zu bleiben. Gil kehrt zurück, weil er sein Verhalten als eskapistisch und als "Goldenes Zeitalter" Syndrom begreift. Sein Verdacht, dass Inez in der Zwischenzeit etwas mit Paul hat, bestätigt sich und er trennt sich von ihr. Dennoch endet der Film hoffnungsvoll, weil Gil eine Verkäuferin vom Flohmarkt wiedertrifft. Gemeinsam laufen sie durch Paris, es fängt an zu regnen, um im Gegensatz zu Inez liebt die Flohmarktverkäuferin Spaziergänge im Regen.


Gattungsanalyse:

Die These: Es handelt sich um eine komödienhafte, romantische Novelle, denn eine Novelle hat laut Goethe einen unerhörten, seltsamen Moment und der liegt darin, dass die Hauptfigur, Gil, mitternachts auf unerklärliche Art und Weise in das Paris der 20ger Jahre des 20. Jahrhunderts gelangen kann und dort die Kulturelle Creme de la Creme antrifft: Picasso, Hemingway, Gertrud Stein, T.S Eliot, F.Scott Fitzgerald. Eine Binnenhandlung und eine Rahmenhandlung gibt es ebenfalls, denn Gils Ausflüge in die Vergangenheit sind eingebettet in den Parisurlaub des Paares und ihrer Eltern.
Die Liebe erwacht beim Spazierengehen
Die unerhörte Begebenheit hat außerdem oft eine entscheidende Funktion für das Leben der Protagonisten, quasi eine schicksalshafte Bedeutung. In diesem Fall führt die unerhörte Begebenheit die Hauptfigur hin in die Krise, sie verändert sein Leben. Das ist von Anfang an zu erwarten, denn um die Beziehung der Verlobten in der Gegenwart steht es eh nicht gut: Unterstützung - Fehlanzeige. Verständnis? Fehlanzeige. Gemeinsame Interessen? Fehlanzeige. Konsequent, dass diese Beziehung ins Straucheln gerät.
Das romantische an dem Film ist, dass es hauptsächlich um Liebe geht. Gil muss sich erst selbst finden, seine Gefühle werden kräftig durcheinander gebracht und er muss lernen, dazu zu stehen. Komödienhaft wird der Film dadurch, dass es zu einer Verstrickung kommt - die neue Liebe, die so schlecht zur geplanten Hochzeit passt und das beinahe Auffliegen dieser Verliebtheit. Auch komödienhaft ist, dass sich die Verstrickung zuletzt in einem Happy End auflöst - auch wenn es zunächst zur Katastrophe kommt, weil Gil und Inez sich trennen.

Stereotypen:

Paris - Stadt, der Liebe und alle Frauen in Paris sind hübsch
Gil - der romantische, verträumte, verdatterte Schriftsteller

Samstag, 10. November 2018

Amar (2017) - ein mutiger Film über die Liebe

Endlich mal wieder ein Film aus einer anderen Kultur...
Die Liebe, die Liebe, was ist das, die Liebe?
Die volle Hingabe an einen anderen Menschen bishin zur pathologischen Selbstaufgabe?
In dem spanischen, künstlerisch angehauchten Film geht es um ein junges Liebespaar am Zenit und in der Krise. Ein Junge mit nicht so großem Selbstbewusstsein und seine Liebe.
Unschuld am Anfang und Verstrickungen in Schuld, fehlender Mut, falsches Vertrauen, große Schmerzen und große Enttäuschung.
Hach, die Liebe, was ist die Liebe?
In symbolträchtigen Bildern hinterfragt das der Regisseur, wo Liebe Grenzen hat und stecken sollte.
Nicht einfach, leidenschaftlich und leidvoll aber mit Substanz!

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Ein Stückchen Geschichte - Warum man "der Trafikant" gut lesen kann!

Warum man den Trafikanten von Robert Seethaler gut lesen kann, das soll im Folgenden kurz beschrieben werden. Dabei möchte ich kurz auf den Inhalt eingehen und dann - ganz unwissenschaftlich und subjektiv beschreiben, was das Buch in mir ausgelöst hast. 

Zunächst zum Inhalt: 

Geschrieben wird die Geschichte aus Sicht eines auktorialen Erzählers, der sich vor allem an die Versen seiner Figur Franz Huchel heftet, einem Jugendlichen, der aus dem Salzkammergut - tiefste Provinz Österreichs am Attersee - in das moderne, großstädtische Wien des Jahres 1938 kommt, um dort eine Ausbildung zum Trafikanten anzutreten, weil der Besitzer des Ladens der Mutter, die durch einen tragischen Unfall ihres Finanziers in Geldnöte geraten ist, ihr noch einen Gefallen schuldet. Franz trifft auf seiner Entdeckungsreise  in diesem schelmenhaften Bildungsroman auf den Trafikanten, niemand geringeren als Professor Dr. Sigmund Freud, ein tschechisches Mädchen names Aneska, die Gestapo, den Mitläufermetzgernachbarn und einige andere Figuren. 
Themen des Romans sind natürlich die Liebe mit ihren Verwirrungen und vor allem der Einbruch des Faschismus in die Welt des unbedarften und unschuldigen Franz, Randaspekte das Altern und die Krankheit Sigmund Freuds. Spoilern möchte ich nicht allzu sehr. 

Was hat das Buch in mir ausgelöst? 

Zunächst einmal viel Freude! Nach einem etwas beschwerlichen Start, wie bei so vielen anderen Büchern auch, kam ich schnell in die Sprache des Autors hinein. Diese ist sehr erzählerisch, plaudernd, gespickt mit Bonmots und Sentenzen, wie zum Beispiel derjenigen, dass man Semmeln nicht wegen des Geschmacks kaufe, sondern um satt zu werden. Ähnlich sei es bei Zigaretten im Vergleich zu Zigarren. Gleichzeitig erscheint der Roman perfekt recherchiert - an keiner Stelle merkt man, dass der Roman nicht aus der Zeit, die beschrieben wird, selbst stammt, sondern aus den 2000ern. So bildhaft taucht Wien, die Trafik, der Prater, die Varietéshow und die übergriffigen Diffamierungen gegen die Trafik vor dem inneren Auge auf, dass man ganz hineingezogen wird in eine andere Zeit. Erinnert hat mich das Buch von der Erzählkunst her an "Das Parfüm", in "gut", weil ich diesen Roman aus irgendwelchen Gründen nicht so besonders leiden mochte - mag es sein, dass ihm das tiefgreifende Thema fehlt, wohingegen jener die Gräuel des Nationalsozialismus ungeschminkt an die Wand pinselt und damit eine Relevanz hat - die Erinnerung desjenigen, was man nie vergessen sollte in Erinnerung zu behalten - die dem "Parfum" fehlt. Andererseits fühlte ich mich etwas an Thomas Mann erinnert durch das auktoriale, das leicht Staubige und Museumshafte, was auf den Sätzen zu liegen scheint und dem Buch die Feinheit und Kostbarkeit einer kleinen, goldenen Taschenuhr aus just jener Zeit verleiht. 
Gegen Ende des Romas muss ich gestehen, hat ich die Lesefreude ein wenig verlassen. Mag es an der Tristesse des Sujets liegen, die einen nicht mehr so gern zum Buch greifen lässt, mag es das holzschnittartige der Figur des Franz sein, der in seiner Rolle als Einfaltspinsel mit gutem Herz und gutmütig ein wenig zu bekannt und berechenbar agiert. Spoilern will ich jetzt immer noch
nicht.

Großartig sind dagegen viele Szenen, auch für sich und im Zusammenhang des Werks betrachtet. 
Am meisten Eindruck hat die Szene in der Metzgerei bei mir hinterlassen. Und ja, der Inhalt des Romans hat mich berührt und berührt mich, wenn ich ihn an mich heranlasse. 

Der Nationalsozialismus, bzw. jeder Faschismus ist grauenhaft, seine Verbrechen gegen die Menschen dürfen niemals vergessen werden und es ist eine Schande, dass es die AfD gibt und Gauland und Menschen, die das Holocaustdenkmal als "Schandfleck im Herzen Berlins" bezeichnen dürfen. In einem Kommentar habe ich gelesen, dass die AfD Funktionäre, die so unbescholten und naiv mit der brauen Vergangenheit Deutschlands kokettieren - sei es aus Naivität oder aus Erwägung als Strategie, um an politische Macht zu gelangen - sie sollten jedenfalls in Dachau oder Auschwitz, Sachsenhausen oder Buchenwald oder wo auch immer eine Art Bufti-Dienst absolvieren, am besten in den Gaskammern oder dem Trakt, der sich mit Dr. Mengele beschäftigt - bis sie verstehen, wie böse der Faschismus ist. 










Sonntag, 14. Oktober 2018

Doom over Würzburg

Immerhin ins Immerhin Würzburg ! 180 Bands pro Jahr! Alles ehrenamtlich - was für eine Leistung! Was für ein Schuppen!
Leaned Fumes

Gestern gaben sich Elder, Ancestors, Wolf Counsel und Leaden Fumes die Ehre und wieder darf ich merken, wie wenig ich mich in der Szene auskenne und wie wunderbar es ist, dass Menschen zusammen kommen und ihre Energien gemeinsam in dieser Art der Musik vereinen. Ja, ich merke, dass das geschwollen klingt, aber ist nunmal so. Ich hatte wieder ein paar Erkenntnismomente und die möchte ich mitteilen.

Leaden Fumes: Was wird da beschworen, wenn eine Stoner/Doom. Band spielt? Zu zweit stehen Bassist und Gitarrist am vorderen Bühnenende, hinter ihnen neben dem Schlagzeug die Boxentürme wie schwarze Löcher. Was ist eigentlich in diesen Boxen und was kommt raus? Klar kann sagen eine Magnetspule, eine Schwingmembran und Schwingung. Aber vielleicht kann man auch sagen, dass in dieser nihilistischen Szene lauter kleine schwarze Löcher auf einer Bühne zusammengetragen werden und in jeder Box steckt ein Teil dieses schwarzen, gesichtslosen Gottes, Antimaterie, denk dir was du willst, aber irgendwas kann man sich vorstellen steckt da drinnen und das wird dann gemeinsam beschworen und auf die Bühne und den Innenraum losgelassen.
Oldschool-Doom vom Feinsten. Derart düster, kompromisslos, schwer, hart, langsam, präzise, knackig. Gitarrist Flo sehr freundlich, Sänger und Bassist imposant mit seiner Juppe und Kappe wie ein working class hero, eine Figur aus einem Brechtdrama, schleudert Bitterkeit raus in seinem Gesang.

Ancestors Gitarrist



Ancestors: Bass, Gitarre, Synthies (3 Stück), Drumms. Verspielter Pop-Emo-Blues-Postrock, das mir wieder das Spektrum dieser Szene vor Augen führt. Wie hart und weich kann Musik gleichzeitig sein? Zu dritt haben sie teilweise gleichzeitig gesungen, Platz für jeden der Musiker, sich zu verwirklichen. Erinnerte mich an Shield oder Shoulder und meinen Schwager Rene. Zerbrechlich und hart gleichzeitig. Geht das? Ja! Kann man auch Elektro einbauen? Irgendwie schon, ja, der Synthie bewies es. Herzzereissend. So muss eine Ballade klingen!

Elder.
Was soll man sagen? Unfassbar gut. Mehr nicht.

Elder
Funfacts: Direkt gegenüber vom Konzertsaal war Vortanzen des Poledance Heavens. Da sind Welten aufeinander getroffen, aber vom Feinsten!
Ein Anti-Ultrafan hat vielleicht absichtlich einen FCN Aufkleber ins Pissoir gelegt. König Fussball und seine kreativen Fans